Wolfsland NRW: Schäfer fühlen sich allein gelassen

Wolfsland NRW: Schäfer fühlen sich allein gelassen

  • Schäfer in NRW fordern mehr Schutz gegen Wölfe
  • Förderung von Elektrozäunen
  • Abschuss von Problemwölfen

Die Rückkehr des Wolfes in NRW verursacht Unruhe bei Schäfern am Niederrhein. Nach mehreren mutmaßlichen Wolfsangriffen auf Schafsherden und Wildgehege fordert der Schafzuchtverband NRW gegenüber dem WDR am Freitag (02.11.2018) mehr Unterstützung beim Schutz ihrer Tiere.

Hilfe nur in offiziellen Wolfsregionen

Zwar können sich viele Schäfer, die einen Elektrozaun anschaffen, bereits jetzt einen Großteil der Kosten erstatten lassen. Fördergeld gibt es aber nur in jenen Regionen, in denen Wölfe mindestens seit sechs Monaten heimisch geworden sind: In NRW trifft das bisher nur für rund 958 Quadratkilometer der Kreise Kleve, Wesel, Borken und Recklinghausen sowie der Städte Bottrop und Oberhausen zu.

Wolfsland NRW: Förderungen für Schafzüchter

WDR 2 01.10.2018 03:13 Min. Verfügbar bis 01.10.2019 WDR 2

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Abschuss soll möglich sein

"In sechs Monaten haben Wölfe längst gelernt, dass unsere Schafe leichte Beute sind", sagt Schäferin Ortrun Humpert aus Marienmünster (Kreis Höxter). Die Förderung von Schutzmaßnahmen müsse viel früher beginnen, fordert sie. Habe sich ein Wolf erst einmal auf Nutztiere spezialisiert, dann dürfe auch der Abschuss des Tiers kein Tabu sein.

27 Berichte über Wolfsrisse

Im "Wolfsmanagementplan" des Landes gibt es tatsächlich Regeln, unter welchen Umständen ein Wolf "entfernt", also getötet werden darf: zum Beispiel, wenn er sich auf Nutztiere spezialisiert und außerdem gelernt hat, die üblichen Schutzvorrichtungen zu überwinden.

Seit Jahresbeginn wurden in NRW insgesamt 27 angebliche Wolfsattacken auf Herden gemeldet. Durch DNA-Untersuchungen konnte der Verdacht bisher in neun Fällen bestätigt werden. Fünf Meldungen erwiesen sich als falsch, in 13 Fällen läuft die Untersuchung noch.

Zwei-Meter-Zaun überwunden?

Besonders ein mutmaßlicher Angriff im Kreis Wesel sorgt unter Tierhaltern für Unruhe. Am Wochenende (27./28.10.2018) wurden in einem Gehege in Dinslaken elf Damhirsche gerissen.

Elektrozaun

Elektrozäune schützen

Wie ein Räuber den zwei Meter hohen Zaun überwinden konnte, ist unklar. Obwohl die Bestätigung für einen Wolfriss noch aussteht, sieht sich Schäferin Humpert bestätigt: "Wölfe lassen sich auf Dauer nicht aussperren."

Dagegen hat Förster und Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky Zweifel, ob tatsächlich ein Wolf für die Risse verantwortlich ist. "Sie sind zu allerlei fähig, aber Zwei-Meter-Zäune schaffen sie eigentlich nicht." Die Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigten, dass Herden hinter einfachen Elektrozäunen in aller Regel sicher sind.

Stand: 02.11.2018, 13:59