Wisent-Projekt geht erstmal weiter

  • Waldbauern klagen gegen Artenschutzprojekt
  • Kreis Siegen-Wittgenstein stimmt Gutachten zu
  • Bezirksregierung übernimmt Finanzierung

Der Streit um Deutschlands einzige freilebende Wisent-Herde am Rothaarsteig geht in die nächste Runde. Die Fraktionen des Kreises Siegen-Wittgenstein haben am Freitagabend (13.12.2019) einem Gutachten zugestimmt, das die künftige Entwicklung des Wisent-Projektes bewerten soll.

Es soll 200.000 Euro kosten und zu 100 Prozent aus Fördergeldern von der Bezirksregierung Arnsberg finanziert werden. Sauerländer Waldbauern hatten gegen das Wisent-Projekt ihrer Wittgensteiner Nachbarn geklagt und für beschädigte Bäume Schadenersatz gefordert.

Wiederansiedelungs-Projekt auf der Kippe

Die obersten Zivilrichter des Bundesgerichtshofes (BGH) in Karlsruhe hatten sich im Juli mit dem Thema befasst. Sie hielten es für denkbar, dass die Waldbauern ihren Widerstand gegen das Artenschutzprojekt im Rothaargebirge aufgeben müssen. Sie könnten zur Duldung der lange ausgerotteten Wildrinder verpflichtet sein. Ob die Voraussetzungen dafür vorliegen, muss das Oberlandesgericht Hamm klären.

Unbeliebt gemacht haben sich die Tiere mit ihrem Appetit: Sie gehen mit Vorliebe den geschützten Rotbuchen an die Rinde. Das Wiederansiedelungs-Projekt steht deshalb seit Jahren auf der Kippe. Denn die Wisente haben das ihnen einmal zugedachte Revier bei Bad Berleburg längst verlassen.

Umsiedlung in Nationalpark geht BGH zu weit

Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hatte 2017 eine radikale Lösung ins Spiel gebracht: Um das Eigentum der Waldbauern zu schützen, könnten die Wisente in den Nationalpark Bialowieza an der polnisch-weißrussischen Grenze umgesiedelt werden. Das ging den Richtern des BGH zu weit.

Dass die Waldbauern die Wisente wirklich dulden müssen, sei aber noch nicht ausgemacht. Die Pflicht gelte nämlich nur, "soweit dadurch die Nutzung des Grundstücks nicht unzumutbar beeinträchtigt wird". BGH-Sprecherin Dietlind Weinland ging im Juli davon aus, dass das OLG zur Beurteilung einen Sachverständigen einschalten wird. Dieser müsste sich dann das Ausmaß der Schäden ganz genau anschauen.

Wisente im Sauerland 00:34 Min. Verfügbar bis 19.07.2020