Waldbauern müssen freilebende Wisente nicht länger dulden

Wisent Wildnis am Rothaarsteig

Waldbauern müssen freilebende Wisente nicht länger dulden

Von Mike Külpmann

Sauerländer Waldbauern müssen nicht länger akzeptieren, dass die frei lebenden Wisente ihre Bäume beschädigen. Das hat das Oberlandesgericht Hamm am Donnerstag entschieden. Der Trägerverein prüft jetzt, ob er erneut nach Karlsruhe geht.

Nach acht Jahren müsse die Freisetzungsphase abgeschlossen sein, jetzt müsse ein neuer öffentlich-rechtlicher Vertrag folgen. Die Revision beim Bundesgerichtshof ist zugelassen.

Zuletzt hatten sich die Richter vor zwei Monaten mit dem Fall beschäftigt, aber noch kein Urteil gefällt. Trotzdem ließen sie eine Tendenz zugunsten der klagenden Waldbauern erkennen. Grund dafür sei, dass im Vertrag zur Freilassung der Tiere im Jahr 2013 eine Art Erprobungsphase vereinbart wurde.

Ist Erprobungsphase bereits vorbei?

Diese könnte nach Ansicht der Richter schon seit einigen Jahren vorbei sein. Deshalb seien den Waldbauern die Schäden, die die Tiere an ihren Bäumen hinterlassen, nicht mehr zuzumuten. Sollten die Richter bei dieser Meinung bleiben, könnte es das Ende der Wisente in Freiheit sein.

Wisente in Südwestfalen

Stolze Tiere in Freiheit

Denn eines haben die Projektverantwortlichen immer wieder betont: Eine dauerhafte Einzäunung sei mit einem Artenschutzprojekt unvereinbar. 2013 waren neun Wisente auf dem Gebiet der Wittgensteinschen Rentkammer frei gelassen worden - seitdem gibt es Ärger.

Denn die inzwischen 25 Tiere verlassen regelmäßig das über 4.000 Hektar große Areal und betreten die Grundstücke von privaten Waldbauern im Sauerland. Dort schädigen sie die Bäume der Waldbauern, indem sie die Rinde abfressen.

Entschädigungen reichen Bauern nicht

Dafür wird ihnen zwar eine finanzielle Entschädigung gezahlt, doch den Waldbesitzern geht es um mehr. Sie fürchten, dass ihr Wald dauerhaft im Bestand gefährdet ist. Deshalb klagen zwei Waldbesitzer aus Schmallenberg seit Jahren durch alle Instanzen.

Sie wollen, dass die Tiere ihre Grundstücke überhaupt nicht mehr betreten. Das aber will der Wisentverein als  Projektbetreiber nicht garantieren. Er argumentiert, dass die Wisente unter Artenschutz stehen und weder gefangen noch getötet werden dürfen.

Stand: 15.07.2021, 06:00