Große Turner-Ausstellung in Münster

Museumsmitarbeiter hängen ein Bild auf.

Große Turner-Ausstellung in Münster

  • 80 Bilder aus der Tate Britain in London
  • Ausstellung eröffnet am 8. November
  • Turner könnte Besuchermagnet werden

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster wird von Freitag (08.11.2019) an eine Ausstellung des britischen Malers William Turner zeigen. Turner gilt als bedeutender Vertreter der Romantik. Am Dienstag (05.11.2019) wurde die Ausstellung der Presse in Münster vorgestellt.

Bilder für viele Millionen Euro

Mann steht in einer Kunstausstellung vor einem Bild.

"Turner. Horror and Delight" könnte zum Besuchermagnet werden

Mit "Turner. Horror and Delight" zeigt das Museum rund 80 Bilder des berühmten englischen Malers, die aus der "Tate Britain" in London und anderen europäischen Museen stammen. Da einzelne Gemälde Turners für viele Millionen Euro gehandelt werden, dürfte es eine der hochkarätigsten Ausstellungen sein, die Münster je gesehen hat.

Horror und Entzücken: William Turner in Münster

Von Thomas Köster

William Turner war ein Meister des Lichts. Und einer der ersten, der die Landschaftsmalerei auf eine Ebene mit Porträt und Historiengemälde hob. Das LWL-Museum für Kunst und Kultur widmet Turner nun in Münster eine beeindruckende Schau.

William Turner. Horror and Delight, LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster 2019 (Ausstellungsansicht)

"Wie glücklich ist der Landschaftsmaler, der von jeder Veränderung in der Natur in jedem Moment erregt ist", notierte einst der englische Maler und Aquarellist William Turner (1775-1851) - und wird mit dieser Einstellung einer der wichtigsten Maler der Romantik. In Kooperation mit dem Museum Tate in London sind nun rund 80 Werke Turners versammelt, die das erregende Zusammenspiel von Licht und Landschaft illustrieren.

"Wie glücklich ist der Landschaftsmaler, der von jeder Veränderung in der Natur in jedem Moment erregt ist", notierte einst der englische Maler und Aquarellist William Turner (1775-1851) - und wird mit dieser Einstellung einer der wichtigsten Maler der Romantik. In Kooperation mit dem Museum Tate in London sind nun rund 80 Werke Turners versammelt, die das erregende Zusammenspiel von Licht und Landschaft illustrieren.

"Horror and Delight" ist die Ausstellung betitelt, die die ganze Entwicklung des Künstlers von seinen Anfängen bis zum Spätwerk beleuchtet. Sie nimmt damit Bezug auf ein Begriffsspaar des Schriftstellers Edmund Burke, der damit das romantische Gefühl der Erhabenheit umriss. Und tatsächlich nutzt auch Turner Schiffskatastrophen und Lawinenunglücke, um beim Betrachter "wohligen Schauer" zu erzeugen, wie Kuratorin Judith Claus bemerkt.

Zu Turners Lebzeiten galten Porträt und Historiengemälde als Königsdisziplinen. Stillleben und Landschaftsbild standen ganz tief im öffentlichen Ansehen. Wie sein französisches Vorbild Claude Lorrain, so dreht auch Turner, zumindest in späteren Jahren, das Verhältnis einfach um. Der Mensch wird ein verschwindender Punkt in der schier unendlichen Weite der göttlichen Natur.

Das geht so weit, dass Turner historische Ereignisse erfindet, um seine Auseinandersetzung mit der Landschaft zu legitimieren. Die von ihm im Hintergrund inszenierte "Schlacht von Fort Rock, Aostatal, Piemont, 1796" während Napolens Einmarsch in Italien hat es nie gegeben.

Vieles bleibt trotzdem sehr zeitgenössisch, vor allem im Frühwerk. Es sind die konturlosen, lichtdurchfluteten, fast bis zur Abstraktion hin aufgelösten Weiten, die Turners Spätwerk prägen - und die heute das ausmachen, was man "typisch Turner" nennt. Und dazu geführt haben, dass sich zahlreiche Künstler bis hin zur Gegenwart auf Turner berufen.

Ist William Turner also ein moderner Maler? Irgendwie nicht, schreibt Museumsleiter Hermann Arnhold im Katalog. Schließlich sei es Turner nicht um "künstlerische Revolution oder gar stilistische Abstraktion" gegangen, sondern schlicht und ergreifend "um das einfangen des wahren und unmittelbaren Wesens der Natur, ihrer unterschiedlichen Wetterlagen und vielfältigen Erscheinungsformen". Letzteres stimmt, schließt aber ersteres nicht aus.

"Atmosphäre ist mein Stil", heißt es dem entsprechend bei Turner. Das ist ein Motto, das sicher auch Monet und Degas unterschrieben hätten. Auch wenn Turner, der seine Farbflächen auch schon einmal mit dem Fingernagel oder dem Pinselstiel bearbeitete, noch nicht mit der Staffelei in die Natur zog, um "plein air", also unter freiem Himmel zu malen. War auch kaum möglich: Die Ölfarbentube, das wichtigste Utensil der Impressionisten, wurde erst 1841 erfunden.

Und manches Werk wirkt sogar so, als wäre es dem 21. Jahrhundert entsprungen. Wie die um 1827 entstandenen "Three Seascapes", die fast wie eine Arbeit des vor kurzem ebenfalls im Münsteraner LWL-Museum ausgestellten Sean Scully wirken. Klar: Hier sind drei Seestücke übereinander gemalt. Aber der Gesamteindruck ist trotzdem ein frischer, moderner.

Auf jeden Fall sind Licht und Farbe als Eigenwert jene Kriterien, mit denen Turner gegen die etablierte Malerei der zeitgenössischen akademischen Malerei vorging. Das allein schon ist ein Pfund, mit dem man bei der Frage um die Modernität des Malers wuchern könnte.

In Münster kann sich jeder selbst ein Bild davon machen, wie traditionell oder innovativ Turner zu Werke war. Es ist ein großes Verdienst der Schau, dass neben den Werken des Malers auch motivisch ähnliche Werke von Zeitgenossen und Nachfolgern hängen. So ergibt sich im LWL-Museum ein rundes Gesamtbild (John Martin, "The Deluge", 1834).

Leider ist ausgerechnet von Turners großem Vorbild Lorrain nur eine kleine Arbeit in Münster vertreten. Wie wichtig der Franzose dem Engländer war, zeigt die Tatsache, dass der Künstler der Tate seinen Nachlass testamentarisch unter anderem nur unter der Maßgabe überlassen wollte, dass zwei seiner Bilder neben Lorrains Werk gehängt werden. Da war sein eigener Ruhm bereis derart groß, dass man dem Wunsch gerne nachkam.

"Das Erhabene ergreift, das Schöne entzückt", heißt es bei dem Dänen Per Kirkeby, dessen Werk ohne Turners Atmosphärenmalerei kaum denkbar wäre. Auch wenn vieles an Turner inzwischen vielleicht schön und dekorativ wirken sollte, ergreift sein Werk immer noch. Auch das ist eine schöne Erkenntnis, die nach einem Besuch der großartigen Ausstellung bleibt.

"William Turner. Horror and Delight" ist noch bis zum 26. Januar 2020 im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster zu sehen. Danach zieht die Ausstellung, die auch schon in Luzern zu sehen war, nach Nashville und Quebec weiter.

Schönheit und Horror der Natur

"Die Faszination für das Werk Turners ist ungebrochen. Seine Bilder berühren die Menschen, weil sie die Schönheit und Gewalt der Natur so lebensecht wiedergeben", sagte LWL-Direktor Matthias Löb bei der Vorstellung.

Gemälde mit einem brennenden Schiff

Auch das bekannte Bild "Burial at Sea" wird in Münster zu sehen sein

Laut LWL ist es die erste große Turner-Ausstellung in Nordrhein-Westfalen seit fast 20 Jahren. Demnach umfasst sie die Entwicklung des Künstlers von seinen Anfängen bis zu seinem Spätwerk. Möglich wurde die Ausstellung durch eine Kooperation mit dem Museum "Tate Britain" in London, das dafür 80 Ölgemälde und Aquarelle aus dem Turner-Nachlass zur Verfügung stellt.

Auch Werke von Zeitgenossen Turners

Ebenfalls Teil der Ausstellung sind 30 weitere Leihgaben aus anderen europäischen und US-amerikanischen Museen, Werke von Vorbildern und Zeitgenossen Turners. Zu ihnen gehören John Constable der Schweizer Caspar Wolf oder der Franzose Claude-Joseph Vernet. "Damit wollen wir zeigen, welche Künstler Turner geprägt haben und wie er sich von seinen Zeitgenossen abhebt", erklärte die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Judith Claus.

Meister des Lichts

Vielen gilt der Landschaftsmaler Turner als Meister des Lichts und der Farbe. Gewaltig und brutal schlagen die Elemente in Turners Bildern zu: Schiffbruch, Lawinen, Stürme. "Seine Bilder lösen beim Betrachten einen wohligen Schauer aus", so Claus.

Ein Mann fotografiert mit seinem Smartphone ein Gemälde in einer Kunstausstellung.

Das Museum hofft auf einen Besucherrekord

Das LWL-Museum in Münster hofft, dass die Turner-Ausstellung zum Besuchermagnet wird. Die Eröffnungsschau nach dem Umbau des Museums 2014 rund um die britischen Künstler Francis Bacon und David Hockney sahen mehr als 80 000 Besucher. William Turner soll diese Marke möglichst knacken.

Ausstellung bis Ende Januar

Die 80 Werke des Künstlers aus der Ausstellung "Horror and Delight" sollen noch bis zum 26.01.2020 in Münster zu sehen sein. Vorher waren sie im Kunstmuseum Luzern zu sehen und wandern anschließend weiter nach Nashville und Quebec.

Turner-Ausstellung in Münster Lokalzeit Münsterland 05.11.2019 05:37 Min. Verfügbar bis 05.11.2020 WDR Von Markus Schröder

Stand: 05.11.2019, 20:00