Coesfeld: Westfleisch-Fälle überschreiten Obergrenze deutlich

Aktuelle Lage bei Westfleisch und die Folgen Lokalzeit Münsterland 11.05.2020 02:37 Min. Verfügbar bis 11.05.2021 WDR Von Hartmut Vollmari

Coesfeld: Westfleisch-Fälle überschreiten Obergrenze deutlich

  • 103 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in Coesfeld
  • Corona-Lockerungen werden dort teilweise ausgesetzt
  • Massentests auch bei anderen Fleischbetrieben in NRW

Der Kreis Coesfeld gehört durch die neuen Corona-Fälle bei Westfleisch zu den fünf Regionen in Deutschland, in denen die Obergrenze für Neuinfektionen nicht eingehalten werden konnte. Es ist derzeit die einzige Kommune in NRW, in der die Lockerungen nicht in Kraft treten.

Nach Zahlen der Bezirksregierung Münster vom Dienstag (12.05.2020) gab es dort in den vergangenen sieben Tagen 103,2 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Die Grenze liegt bei 50.

Nach Angaben des Kreises Coesfeld wurden bisher 1012 der rund 1.200 Mitarbeiter getestet. Am Dienstagnachmittag waren 831 Tests ausgewertet. Das Ergebnis: 260 positive Fälle. Im Kreis wurden außerdem 15 größere und mehrere Dutzend kleinere Unterkünfte überprüft. Hier gab es teils Mängel in der Hygiene.

Sollte sich das Infektionsgeschehen auf den Bereich des geschlossenen Schlachthofs konzentrieren, könnten die Einschränkungen für die Bevölkerung zum Wochenende wieder gelockert werden, kündigte NRW-Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Montag (11.05.2020) an.

Schon früher erste Infizierte bei Westfleisch

In dem Fleischunternehmen gab es offenbar schon deutlich früher den ersten Corona-Infizierten: Nach Recherchen des WDR-Magazins "Westpol" wurde der erste Fall am 13. März registriert - in der Hauptverwaltung in Münster.

Massentests auf Corona auch in Hamm

Seit Sonntagmorgen (10.05.2020) werden auch in Hamm Westfleisch-Mitarbeiter auf eine mögliche Corona-Infektion getestet. Über 1.000 Mitarbeiter sollen auf eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus untersucht werden, obwohl es dort bisher keinen konkreten Verdacht gibt.

Mehrere Personen auf dem Testgelände in Hamm.

Westfleisch-Mitarbeiter werden getestet

Anlass für die Aktion der Stadt Hamm waren die Meldungen aus Coesfeld und Oer-Erkenschwick, wo sich Hunderte von Beschäftigten der "Westfleisch"-Schlachthöfe angesteckt hatten.

Unterkünfte werden untersucht

Außerdem werden in Hamm 350 Wohnungen kontrolliert. Viele der Mitarbeiter, die aus dem Ausland zur Arbeit im Schlachthof gekommen sind, leben dort offenbar nicht in Sammelunterkünften, sondern in normalen Mietwohnungen.

Das Testgelände in Hamm ist umzäunt.

Das Testgelände in Hamm ist umzäunt

Westfleisch bestätigte dem WDR-Magazin "Westpol", dass mehrere Arbeiter in den Unterkünften zusammen wohnen: "Im Allgemeinen ist die Unterbringung der Westfleisch-Produktionsmitarbeiter der von Familien und Wohngemeinschaften ähnlich, mehrheitlich sind Wohnungen mit drei, vier oder fünf Personen belegt", teilte das Unternehmen mit.

Die Stadt überprüft die hygienischen Bedingungen. Die Aktion in Hamm soll am Montag fortgeführt werden, Ergebnisse werden am Dienstagabend erwartet.

  • Gericht: Westfleisch in Coesfeld bleibt zu

  • Der Schlachtbetrieb in Coesfeld wurde auf Anweisung des Kreises bis zum 17.05.2020 vorläufig geschlossen. Westfleisch wollte vor Gericht per Eilantrag eine Aufhebung des Beschlusses erwirken, das lehnte das Verwaltungsgericht Münster aber am Sonntag (10.05.2020) ab.

    Ein Fabrikgebäude mit der Aufschrift "Fleischcenter Coesfeld"

    Das Fleischcenter Coesfeld bleibt geschlossen

    Der Betrieb sei "aufgrund ersichtlich unzureichender Vorsichtsmaßnahmen" zu einer "erheblichen epidemiologischen Gefahrenquelle" nicht nur für die Belegschaft geworden, hieß es in der Begründung.

    Gewerkschaft fordert Kontrollen

    "Bei der Schlachtung und Zerlegung herrscht seit Jahren ein knallharter Dumping-Wettbewerb. Wohin dieser Preiskampf führen kann, zeigen die jüngsten Corona-Ausbrüche in Coesfeld und anderen Schlachthöfen", sagt Manja Wiesner von der NGG Köln.

    Die Gewerkschaft begrüßt, dass nun alle Fleisch-Beschäftigten auf Corona getestet und die Sammelunterkünfte kontrolliert werden. Das dürfe aber keine einmalige Aktion sein.

    Stand: 12.05.2020, 14:30