Westfälischer Friedenspreis 2018 an baltische Staaten verliehen

Westfälischer Friedenspreis 2018 an baltische Staaten verliehen

Von Oliver Steuck

  • Auszeichnung für Estland, Lettland und Litauen
  • Jugendpreis an Pfadfinderbewegung
  • Festakt in Münster

Am Samstag (14.07.2018) ist in Münster der Internationale Preis des Westfälischen Friedens verliehen worden, in diesem Jahr an die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Traditionell geht der Preis auch immer an eine Jugendbewegung - das waren diesmal die Pfadfinder.

Staatspräsidenten in Münster

14.07.2018: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l-r) applaudiert Dalia Grybauskaite, Kersti Kaljulaid, und Raimonds Vejonis,nachdem er ihnen den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens überreicht hat.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier applaudiert Dalia Grybauskaite, Kersti Kaljulaid, und Raimonds Vejonis (v. links)

Mit den baltischen Staaten wurden erstmals Länder und nicht politische Persönlichkeiten ausgezeichnet: Die Präsidentinnen von Estland und Litauen, Kersti Kaljulaid und Dalia Grybauskaitė, sowie der lettische Präsident Raimonds Vējonis nahmen die Auszeichnung stellvertretend für ihre Länder entgegen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lobte am Samstag ihr optimistisches Eintreten für ein friedliches Europa. "Europa als Zukunft und Notwendigkeit: Manchmal scheint es mir fast, als seien uns die baltischen Staaten ein gutes Stück voraus, was Ernst und Lebendigkeit dieser Einsicht angeht", so Steinmeier in Münster.

Integration in EU

Die baltischen Staaten bemühten sich intensiv um die Integration in die Gemeinschaft Europas, entschied die Jury, auch angesichts der Separatismusbewegungen, die einige andere Länder vorangetrieben hätten. In seiner Laudatio unterstrich Steinmeier die "unbeugsame Freiheitsliebe" der Länder und ihre Überzeugung, in der EU Freiheit, Selbstständigkeit und Rechtsstaatlichkeit zu finden.

Wichtiges Jahr für das Baltikum

Die Wahl fiel sicher nicht zufällig in diesem Jahr auf genau diese Preisträger: 2018 feiern die drei baltischen Staaten hundert Jahre Unabhängigkeit. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Länder von der Sowjetunion erneut annektiert und sind erst seit 1991 wieder eigenständig.

Die baltischen Staaten

Estland - Kersti Kaljulaid

Seit 2016 ist Kersti Kaljulaid Staatspräsidentin der Republik Estland. Die 47-Jährige ist vierfache Mutter. Sie studierte Biologie und Wirtschaftswissenschaften und arbeitete bei einem Telekommunikationsunternehmen, einer Bank und einem Energiekonzern. Ihre politische Karriere startete sie 1999 als wirtschaftspolitische Beraterin der damaligen estnischen Regierung. Von 2004 bis 2016 vertrat sie ihr Land beim Europäischen Rechnungshof in Luxemburg.

Lettland - Raimonds Vējonis

Seit 2015 ist Raimonds Vējonis lettischer Staatspräsident. Der 51-Jährige ist Vater zweier Söhne. Er wurde im heutigen Russland geboren, wo sein Vater als Soldat der Sowjetarmee stationiert war. Der ehemalige Biologielehrer engagiert sich seit den 1990er Jahren im Bereich Umweltpolitik. Er war Vorsitzender der Grünen Partei und von 2002 bis 2011 estnischer Umweltminister. 2014 übernahm er für rund eineinhalb Jahre das Amt des Verteidigungsministers.

Litauen - Dalia Grybauskaité

Die 61-Jährige Dalia Grybauskaitė ist bereits seit 2009 litauische Staatspräsidentin. Sie ist die erste Frau in diesem Amt und wurde 2014 für weitere fünf Jahre gewählt. Sie war unter anderem Arbeiterin und Laborantin in einer Pelzfabrik im heutigen St. Petersburg. Später studierte sie Politische Ökonomie, was sie auch an der Parteihochschule in Vilnius unterrichtete. Sie promovierte im Fach Wirtschaftswissenschaften und war seit 1991 mit der Ausarbeitung des Wirtschaftsprogramms der litauischen Regierung beauftragt. Seit 1999 bekleidete sie verschiedene Ministerämter und wechselte 2004 als Bildungs- und Kulturkommissarin zur EU.

Pfadfinder leisten Friedensarbeit

Die andere Hälfte des mit 100.000 Euro dotierten Preises ging an die internationale Bewegung der Pfadfinder. Eingeladen zur Preisverleihung hatte die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe (WWL) Vertreter von vier Pfadfinderorganisationen. Sie erhielten den Preis für ihre "gemeinsamen Werte, nach denen alle Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Glaube und Besitz in Frieden leben können", so die Jury.

Ringe Deutscher Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände

Zwei US-amerikanische Pfadfinder in Uniform.

Pfadfinder: Jeden Tag eine gute Tat

Als Dachorganisation vertreten die Ringe vier große Verbände in der Weltpfadfinderbewegung: den Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (rdp), die Deutsche Pfadfinderschaft St.Georg, die Pfadfinderinnenschaft St.Georg und den Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder.

In den jeweiligen Einzelverbänden sind nach rdp-Angaben insgesamt rund 220.000 Mitglieder engagiert. Das Ziel der pfadfinderischen Arbeit sei es, "Kinder und Jugendliche zu stärken und sie zu befähigen, ihre Potenziale so auszuschöpfen, dass sie als verantwortungsbewusste Bürgerinnen und Bürger die Welt mitgestalten können". Das schließt auch Bereiche wie Demokratieverständnis, Friedensarbeit, Umwelt- und Naturschutz und Toleranz ein.

Friedenspreis wird zum elften Mal verliehen

In diesem Jahr wird der Internationale Westfälische Friedenspreis zum elften Mal vergeben. Bundespräsident Steinmeier hielt die Laudatio auf die baltischen Staaten, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) würdigte die Pfadfinderbewegung. Die WWL, ein Zusammenschluss von Unternehmern, hatte den Preis erstmals 1998 gestiftet.

Stand: 15.07.2018, 12:13