Müssen Weihnachtsbäume wirklich teurer werden?

Weihnachtsbaum-Plantage

Müssen Weihnachtsbäume wirklich teurer werden?

Für einen schönen Weihnachtsbaum aus dem Sauerland wird man in diesem Jahr tiefer in die Tasche greifen müssen. Wegen der Pandemie, sagen die Waldbauern. Der NABU bezweifelt das.

Eine große Nordmanntanne aus dem Sauerland könnte dieses Jahr rund 50 Euro kosten. Davon geht Eberhard Hennecke, Vorsitzender der Fachgruppe Weihnachtsbaumerzeuger beim Landesverband Gartenbau NRW, aus. Der Preis werde von 18 bis 23 Euro pro laufendem Meter auf etwa 20 bis 25 Euro steigen. Grund seien vor allem die Corona-Auflagen: Desinfektion, extra Personal und große Verkaufsflächen, um den Abstand einzuhalten.

Trotz der steigenden Preise rechnet Hennecke dieses Jahr mit einer besonders hohen Nachfrage: "Bei vielen fällt der Weihnachtsurlaub weg, deswegen macht man es sich zu Hause zu Weihnachten dann richtig schön." Die Nachfrage sei jetzt bereits da.

Eberhard Hennecke in seiner Weihnachsbaumplantage

Eberhard Hennecke in seiner Weihnachsbaumplantage

Und: Der trockene Sommer habe den älteren Bäumen kaum geschadet, sagte Hennecke. Sie entwickelten meterlange Pfahlwurzeln und versorgten sich mit Wasser aus tieferen Bodenschichten. "Von der Qualität haben wir keine Beeinträchtigungen." Weihnachtsbäume wachsen etwa acht Jahre, bis sie die nötige Höhe von 1,50 bis 2 Meter erreicht haben.

Auch Naturschützer erwarten Boom

Mit einer hohen Nachfrage nach Weihnachtsbäumen - pandemiebedingt - rechnet auch der NABU NRW. Eine damit verbundenen Preissteigerung in dieser Höhe kann der stellvertretende NRW-Vorsitzende Heinz Kowalski allerdings nicht nachvollziehen: Natürlich müssten die Waldarbeiter Abstand halten, sagt er, allerdings würde in einer Weihnachtsbaumzucht in einem Jahr ohnehin nur jeder dritte oder vierte Baum gefällt. Da sei also reichlich Platz.

Im Moment seien die Waldbauern ohnehin im Dauereinsatz: Gerade mal 50 Prozent der durch den Borkenkäfer abgestorbenen Nadelbäume seien bislang gefällt. Zwar fallen in diesem Jahr die meisten Verkaufsstellen auf den Weihnachtsmärkten aus - dafür gebe es aber eben die deutlich höhere Nachfrage. Die Weihnachtsbaumerzeuger, so vermutet Kowalski, würden die Coronakrise jetzt als Vorwand nehmen, um die Preise unverhältnismäßig zu erhöhen.

NRW Hauptlieferant für Weihnachtsbäume

Dabei boomt das Geschäft mit den kleinen Tannen oder Fichten zur Weihnachtszeit ganz besonders in NRW: Von den rund 25 Millionen Weihnachtsbäumen, die alljährlich deutsche Wohnzimmer schmücken, stammen nach Angaben des NABU 90 Prozent aus Deutschland. NRW wiederum habe mit 18.000 Hektar bundesweit die größte Anbaufläche für Weihnachtsbäume, zwei Drittel davon im Sauerland. Allein aus dieser Region kämen rund 8 Millionen Weihnachtsbäume in den Handel.

Ob man in diesem Jahr wirklich so viel mehr Geld für ein Bäumchen ausgeben will, müssten die Konsumenten für sich entscheiden, sagt Kowalski. Und er hat einen Tipp: Um die lebenden Tannen und Fichten besser wachsen zu lassen, würden Waldbauern oft nur die Spitze entfernen - die immer noch für einen kleinen Weihnachtsbaum ausreicht. Auch bei den wegen Schäden gefällten Bäumen seien öfters die Spitzen noch intakt. Mit etwas Glück könne man solchen Grünschnitt im Wald bekommen.

Stand: 13.11.2020, 17:58