Wasserstoff als Zukunftsenergie im Münsterland

Lokalzeit Münsterland 10.03.2022 02:26 Min. Verfügbar bis 10.03.2023 WDR Von Melanie Weyand

Wasserstoff-Pionier aus Rheine

Stand: 11.03.2022, 13:36 Uhr

Durch den Ukraine-Krieg ist unsere Abhängigkeit von Gas, Kohle und Erdöl aus Russland noch mal deutlicher geworden. Eine Alternative kann die Wasserstoffnutzung sein. Das zeigt ein Pionier aus Rheine.

Von Melanie Weyand

Vor fünf Jahren ist der Ingenieur Sebastian Niehoff mit seiner Familie in ein neues Haus in Rheine-Gellendorf gezogen. Weil ihn die Wasserstofftechnologie schon seit dem Studium faszinierte, hat er sich eine Brennstoffzelle in den Keller gebaut. Die versorgt sein Haus und das Nachbarhaus mit Strom und Wärme.

Das Prinzip ist einfach: Aus Erdgas wird Wasserstoff gewonnen, der in der Brennstoffzelle Wärme und Strom produziert. Übrig bleibt nur Wasser und Kohlendioxid.

"23.000 Euro hat die Brennstoffzelle gekostet, knapp die Hälfte wurde gefördert. Die Anlage hat sich schon gerechnet. Und sie läuft seit Tag 1 reibungslos und wartungsfrei, so war auch der Deal mit meiner Frau." Sebastian Niehoff, Wasserstoff-Pionier aus Rheine

Vom Tüftler zum Unternehmer

Sebastian Niehoff im Portrait.

Sebastian Niehoff fährt inzwischen einen Wasserstoffwagen

Inzwischen fährt Sebastian Niehoff einen Wasserstoffwagen. Aus dem Privatprojekt im Keller ist eine Beratungs- und Produktionsfirma geworden. In Rheine ist das Planungsbüro und in Wettringen werden Brennstoffzellen und Elektrolyseursysteme zusammengebaut und verkauft.

Die werden dann in Ein- oder Mehrfamilienhäuser gebaut, Unternehmen und auch die erste Schule in Hopsten hat inzwischen eine Brennstoffzelle im Keller. Die Anschaffung ist mit 70.000 Euro zwar etwa doppelt so teuer wie zum Beispiel eine Gasheizung, dafür hält sie aber länger und produziert umweltschonender Strom.

H2-Habitat in Hörstel

Der Elektrolyseur in naher Aufnahme.

In Wettringen werden die Elektrolyseursysteme zusammengebaut

Auf dem ehemaligen Nato-Flugplatz in Hörstel soll ein Energie-Innovationspark entstehen. Hier haben sich Donnerstag und Freitag 150 Energie-Experten, Politiker und Unternehmer getroffen, um über die Wasserstoffnutzung bei mittelständischen Unternehmen zu diskutieren. "Mittelständler können hier neue Geschäftsfelder finden. Und das ist ja gerade in diesen Zeiten wichtig, dass wir die Geschäftsfelder vorantreiben", sagte NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart am Freitag.

Schub durch Krieg in Ukraine

Nach Einschätzung des NRW-Wirtschaftsministeriums kann Wasserstoff nur mittel- und langfristig dazu beitragen, die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen zu reduzieren. Das bestätigt auch der Energie-Experte Christoph Wetter: "Es gibt zwar seit wenigen Jahren den Drang zu Wasserstoff, aber dafür muss erst einmal die Infrastruktur aufgebaut werden".

"Der Krieg in der Ukraine wirkt wie ein Beschleuniger beim Thema Wasserstoff", sagt Unternehmer Sebastian Niehoff: "Wenn wir jetzt Förderanträge stellen, geht alles immer ganz schnell." Das sei einerseits gut, andererseits komme man aber kaum hinterher. Er ist von der Zukunft der vielseitigen Nutzung von Wasserstoff fest überzeugt.

"Wasserstoff ist notstromfähig, kann also gespeichert werden und genau das wird auf Dauer entscheidend sein." Sebastian Niehoff, Wasserstoff-Pionier aus Rheine

Über dieses Thema berichten wir am 10.03.2022 im WDR Fernsehen in der Lokalzeit Münsterland um 19.30 Uhr.