Wiederaufnahme der Schlachtungen: Was ändert sich bei Tönnies?

Wiederaufnahme der Schlachtungen: Was ändert sich bei Tönnies?

  • Wohnsituation der Arbeiter weiterhin schlecht
  • Gewerkschaften fordern Nachbesserung
  • Werkvertragsarbeiter sorgen sich um ihren Lohn

Tönnies darf seit Donnerstag (16.07.2020) wieder schlachten - zunächst geringere Mengen und unter strengen Auflagen mit neuem Hygienekonzept. Ob sich dadurch für die Arbeiter nachhaltig etwas ändert, bleibt fraglich.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hatte am Morgen angekündigt, dass das Schlachtunternehmen ab sofort strenger von den Behörden kontrolliert werde: "Tönnies wird völlig anders arbeiten als vorher." Doch was ändert sich wirklich?

Einbahnstraßensystem und Trennwände sollen Arbeiter schützen

Mitarbeiter in der Fleischverarbeitung getrennt durch Plexiglasscheiben

Seit Donnerstag herrscht weniger Gedränge auf dem Werksgelände - dafür sorgt ein "Einbahn"-Straßensystem und zeitversetzte Schichtenden. Dadurch begegnen sich die Arbeiter beim Schichtwechsel nicht mehr. Jeder der heute 600 Arbeiter wird am Eingang medizinisch durchgecheckt. Weiterhin sollen alle Mitarbeiter zwei Mal pro Woche auf das Corona-Virus getestet werden. Innerhalb der Abteilungen sollen die Mitarbeiter durch Trennwände und neue Lüftungssysteme geschützt werden.

Landrat: Betrieb zur Probe

Nach Ansicht von Landrat Sven-Georg Adenauer handelt es sich bei Tönnies momentan noch um einen Probebetrieb. Man werde die Lage beobachten. Feste Kriterien, unter welchen Bedingungen der Betrieb gegebenfalls wieder geschlossen würde, gebe es jedoch nicht, sagte der Landrat dem WDR.

Sorge um Arbeitsplätze und Lohn

Menschen, die Werkvertragsarbeiter beraten und für deren Probleme da sind, haben große Zweifel daran, dass sich an deren Lebens- und Arbeitsbedingungen viel verändern wird. Armin Wiese von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) war überrascht, dass der Betrieb so schnell wieder aufgenommen werden durfte: "Gespannt sind wir auf jeden Fall, ob das alles so funktioniert und eingehalten werden kann, aber leider haben wir darin keinen Einblick."

Viele Beschäftigte machen sich laut Wiese Sorgen um ihre Arbeitsplätze. Weil weniger Fleisch verarbeitet wird, werden auch weniger Mitarbeiter benötigt. Diejenigen, die auch jetzt - nach der Quarantäne - noch nicht arbeiten dürfen, fragen sich, ob sie trotzdem bezahlt werden.

Kurzfristig keine Veränderung der Wohnsituation

Auch ob sich durch regelmäßige Kontrollen die Unterbringungen von Werkvertragsarbeitern verbessern, fragen sich viele. "Die Enge in den Wohnungen und die hygiensichen Zustände verändern sich ja logischerweise nicht von heute auf morgen", gibt Volker Brüggenjürgen von der Caritas im Kreis Gütersloh zu bedenken. Bisher gebe es nur Ankündigungen und Erklärungen, aber nichts würde umgesetzt.

Adenauer: Zuständigkeiten bei den Kommunen

Im Interview mit der WDR Lokalzeit OWL sagte der Landrat des Kreises Gütersloh, Sven-Georg Adenauer, dass die Kommunen, in denen die Menschen leben, die Aufgabe hätten, die Wohnsitutation zu verbessern. "Als Kreis können wir uns da schlecht einmischen, dafür sind wir zu weit weg", so der Landrat. Auch der Tönnies-Konzern sei dafür in die Pflicht zu nehmen. Nach WDR Informationen mietet die Firma derzeit in größerem Umfang Wohnungen an.

Miese Unterkünfte für Werkvertragsarbeiter: (K)ein neues Problem? Lokalzeit Münsterland 09.07.2020 03:08 Min. Verfügbar bis 09.07.2021 WDR Von Rolf Heutmann

Stand: 16.07.2020, 18:18