Potenzielle Windvorrangzonen in Kirchhundem

04:04 Min. Verfügbar bis 17.01.2023

Reportage: So ringt die Gemeinde Kirchhundem um die Windkraft

Stand: 17.01.2022, 15:38 Uhr

Die Bezirksregierung Arnsberg hat in Kirchhundem im Kreis Olpe mehrere Flächen für Windkraft vorgeschlagen. Gegner und Befürworter sind zusammen dorthin gewandert.

Von Christian Albrecht

Die Gemeinde Kirchhundem ist für viele Windkraftunternehmen interessant: Sie besitzt viel Fläche bei wenig Einwohnern. Rund um den Ort Heinsberg hat die Bezirksregierung mehrere Potenzialflächen vorgeschlagen.

Durch den tiefen Schnee stapfen sie gemeinsam durch die Wälder am Rothaarkamm: Ratsmitglieder der Gemeinde Kirchhundem, Mitglieder der Bürgerinitiative Rothaar-Windwahn, Menschen, die Windkraft befürworten und Interessierte, die Wälder besitzen.

Bürgermeister Björn Jarosz hat sie auf Vorschlag von Heinsberger Bürgern und Bürgerinnen eingeladen, sich die möglichen Standorte neuer Windkraftanlagen selbst anzuschauen.

Mitbestimmung bei Standortwahl

50 Teilnehmer bei der Besichtigung von Windvorrangflächen

Wanderung zu den Windvorrangflächen

Schnell entwickeln sich Gespräche und Diskussionen beim Weg durch die Winterlandschaft auf 600 Metern Höhe. Es gehe nicht um Verhinderung von Windkraftanlagen, sondern um Steuerung, so Bürgermeister Jarosz: "Den Spagat hinzubekommen, Energiewende auf der einen Seite, aber auch eben den Menschen zu schützen, seine Interessen zu wahren." Die Gemeinde will selbst bestimmen, wo Windvorrangzonen ausgewiesen werden.

Gegenargument: Naturraum erhalten

Zwischendurch hält die Gruppe immer wieder an, um sich die möglichen Standorte anzusehen. Edgar Poggel aus Heinsberg erklärt: "Das ist eine der größten zusammenhängenden Waldflächen in Nordrhein-Westfalen." Die möchte er nicht zerschnitten sehen von Windrädern.

"Die Natur gibt uns Erholung, Lebensraum für die Tierwelt, Wasserspeicher, CO2-Speicher." Edgar Poggel, Windkraftgegner

Er und die Bürgerinitiative Rothaar-Windwahn sehen einen größeren Schaden als Nutzen von neuen Windkrafträdern direkt am Premiumwanderweg Rothaarsteig.

Gute Windbedingungen

Bürgermeister Björn Jarosz (parteilos) im Gespräch

Bürgermeister Björn Jarosz bringt Befürworter und Gegner von Windkrafträdern ins Gespräch

Als die Gruppe am Dreiherrenstein ankommt, einem historischen Grenzverlauf zwischen Kirchhundem, Wittgenstein und Siegerland, nimmt die Diskussion Fahrt auf.

"In einem großen Windvorranggebiet würden Sie nur ein Prozent der Fläche wirklich umnutzen. Der Rest bleibt Wald." Günter Pule, Windkraftprojektierer

So würde man den CO2-Speicher erhalten und gleichzeitig Energie erzeugen. Günter Pulte hat fünf Windräder direkt hinter der Gemeindegrenze zu Hilchenbach gebaut und plant seit über zehn Jahren den Bürgerwindpark "Rothaarwind II". Man habe extra Bereiche gesucht, die möglichst weit weg von den Ortsrändern liegen.

Gemeinde macht Tempo

Nach zwei Stunden ist die Wanderung vorbei. Kirchhundem wolle einen Windrad-Wildwuchs verhindern, betont Bürgermeister Jarosz. Deshalb wolle die Gemeinde möglichst schnell Rahmenbedingungen schaffen. Bis Mitte Februar 2022 will sie festlegen, wo neue Windräder gebaut werden dürfen und wo nicht.

Bisher nur wenige Windkraftanlagen in Südwestfalen

Ein Windrad wurde im voherigen Jahr in Siegen-Wittgenstein in Betrieb genommen, drei im Hochsauerlandkreis, vier im Märkischen Kreis. Viel zu wenige, um die Ziele beim Ausbau der Ökostromstromerzeugung zu erreichen, sagt der Landesverband Erneuerbare Energien.

Dazu kommt: Weil es im vergangenen Jahr viele windstille Tage gab, erzeugten die Windkraftanlagen bei uns nur 80 Prozent des sonst üblichen Stroms. Windkraftprojektierer kritisieren, dass behördliche Auflagen und jahrelange Gerichtsverfahren immer öfter neue Anlagen verhindern.