Kampf gegen Schulangst: Tagesklinik Walstedde hilft

Jugendliche mit Schulangst in der Klinikschule Walstedde

Kampf gegen Schulangst: Tagesklinik Walstedde hilft

Von Katja Bothe

Homeoffice und Lockdown haben für Jugendliche mit Schulangst schlimme Folgen. Der Präsenzunterricht wird zur immer größeren Hürde. Die Tagesklinik Walstedde hilft Betroffenen.

Nane Sophie und Luca sind beide 17 Jahre – und haben Schulangst. Jetzt im Corona-Lockdown ist es für Schüler, die Angst vor der Schule haben, besonders schwierig. Denn nach Wochen oder Monaten im Homeschooling plötzlich wieder zur Schule zu gehen, wird zu einer immer größeren Hürde.

Stark machen für die Rückkehr an die Schule

Hilfe bekommen betroffene Kinder und Jugendliche in der Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Walstedde bei Drensteinfurt. Und Nane Sophie hat es dort schon geschafft, ihre Ängste zu besiegen. Diese Woche ist sie wieder in ihre Schule gegangen.

Der Weg dahin war lang: "Es hat angefangen als ich 13 war und es hat sich erstmal so geäußert, dass ich immer Bauchschmerzen hatte."

Ursachen oft unklar

Mädchen sitzt vorm Laptop zuhause

Homeschooling verschärft die Schulangst und führt zur Isolation

Ihre Eltern sind mit Nane Sophie zu Ärzten gegangen, dachten, sie hätte körperliche Probleme wegen der Bauchschmerzen. Aber das war es nicht: "Es hat sich nachher herausgestellt, dass es die Angst war, die so ihren Weg gefunden hat", erzählt Nane Sophie.

Woher die Angst kommt, weiß sie bis heute nicht. Die 17-Jährige hat Freundinnen, macht Sport im Verein, ist nicht überbehütet aufgewachsen.

Eltern trifft keine Schuld

Familien müssen sich wegen der Erkrankung, die im Fachjargon Schulabsentismus heißt, keine Vorwürfe machen, sagt der Jugendpsychologe Lorenz Hilwerling. An der Tagesklinik Walstedde kümmert er sich um die zunehmende Zahl Jugendlicher mit Schulangst. Er weiß, dass Schulangst jeden befallen kann - unabhängig vom sozialen Umfeld und den schulischen Leistungen.

Klinikschule soll Ängste nehmen

Die Klinik hat für betroffene Schüler eine eigene Schule. Dort wird in Kleingruppen unterrichtet. Auch Luca geht seit Oktober in diese Schule. Neun Schüler sind in der Klasse des 17-Jährigen aus Oelde. Zu sehen, es geht auch anderen wie ihm, tut Luca gut.

Bei Luca begann die Angst mit Übelkeit. Häufig musste er die Schule verlassen, weil ihm schlecht wurde. Vor dem Unterricht und in den Pausen konnte er nichts essen.

Angst führt zu Isolation

"Das hat sich immer weiter gesteigert", erzählt Luca. "Bis es in der ersten Corona-Welle so war, dass ich nicht mehr einkaufen gehen konnte, alle Situationen mit Menschen waren gar nicht möglich. Ich konnte nur zu Hause sitzen."

Sich der Angst stellen

In der Therapie lernt er, mit Atemtechnik dagegen anzugehen - und sich der Angst zu stellen. Dass das hilft, zeigt seine Eingliederung in seine eigentliche Schule, ein Gymnasium in Oelde. Zwei Tage pro Woche geht er jetzt wieder in die Regelschule. Und es klappt gut. So viel Selbstbewusstsein wie jetzt nach der Therapie hatte Luca lange nicht.

Zwischen Angst und Einsamkeit: Wie leiden Kinder unter der Corona-Krise? Westpol: Eins zu eins 27.01.2021 29:02 Min. Verfügbar bis 27.01.2022 WDR

Stand: 14.05.2021, 14:54