Waldzustand: Sauerländer Förster gibt keine Entwarnung

Waldzustand: Sauerländer Förster gibt keine Entwarnung

Von Corina Wegler

  • Warnung vor Euphorie rund um die Wälder
  • Erholung der Fichte ist "Momentaufnahme"
  • Saurer Regen ist für Förster ein langfristiges Problem

Die Fichten und die Buchen - und damit die wichtigsten Wirtschaftsbaumarten in unseren Wäldern - haben sich erholt. Das geht aus dem Waldzustandsbericht hervor, der am Mittwoch (22.11.2017) in Düsseldorf vorstellt wurde.

Forstexperten sind aber deshalb noch nicht erleichtert. Wir haben mit Förster Oliver Sielhorst aus Marsberg im waldreichen Hochsauerland gesprochen.

WDR: Der erste Waldzustandsbericht wurde 1984 herausgegeben. Damals ging es unter anderem um den Sauren Regen, der den Waldboden verseuchte. Ist dieses Thema heute passé?

Ein Mann in Ranger-Outfit lächelt in die Kamera

Förster Oliver Sielhorst

Oliver Sielhorst: Nein. Schäden im Waldboden sind oft irreversibel, lassen sich also nicht umkehren. Wir versuchen, etwa durch Waldkalkung den Prozess zu verlangsamen, aber: Grundsätzlich ist der Waldboden nach wie vor viel saurer, als er eigentlich wäre. Wir haben oft einen pH-Wert, der entspricht Zitronensaft und da kann man sich vorstellen, auch als Laie, dass es da schwierig ist für viele Organismen, im Boden zu leben. Und der Baum ist ja auch auf andere Bodenlebewesen angewiesen, mit denen er kooperiert - die Pilze zum Beispiel, ganz klassich, mit denen er im Waldboden eine Symbiose bildet, um Nährstoffe aufzunehmen. Und die haben es in saurem Milieu natürlich schwer.

WDR: Wie entsteht die Übersäuerung des Bodens?

Oliver Sielhorst: Das kommt letztlich aus den Abgasen der Vergangenheit und auch der heutigen Zeit. Seit dem Waldsterben ist viel passiert - es gibt Filteranlagen in den Industriebetrieben und der Katalysator im Auto ist auch Standard - aber natürlich sind nach wie vor viele Abgase in der Luft, und das Schwefeldioxid und andere Schadstoffe landen am Ende im Boden.

WDR: In jüngster Vergangenheit ist den Waldbesitzern davon abgeraten worden, Fichten zu pflanzen, weil sie nicht gut mit Trockenstress zurechtkommen. Jetzt steht im Waldschadensbericht, die Baumart habe sich erholt. Ist das eine Entwarnung für die Fichte?

Oliver Sielhorst: Nein. Das ist eine Momentaufnahme. Im Sommer hat es einiges an Regen gegeben, und das mochte die Fichte sehr. Wenn wir einen trockeneren Sommer gehabt hätten, wäre die Fichte schlechter ausgefallen. Wir haben Experten, die sagen: Auf ganz vielen Standorten ist die Fichte nicht mehr der Baum, der hier wachsen kann - weil die Fichte eine Hochgebirgsart ist, und die haben natürlich schwer damit zu kämpfen, dass es weniger Niederschlag im Sommer gibt.

WDR: Die Douglasie aus Nordamerika wird immer wieder als Alternative zur Fichte genannt - gerade in den letzten Monaten auch die Weißtanne, die ursprünglich im alpinen Raum heimisch ist. Wie beurteilen Sie die Esskastanie, die ja Baum des Jahres 2018 ist?

Eine  Esskastanie  im Naturschutzgebiet

Alternative Esskastanie?

Oliver Sielhorst: Viele Kollegen haben die Esskastanie bei Neuanpflanzungen schon berücksichtigt. Die Baumart stammt aus dem Mittelmeerraum und ist andere klimatische Bedingungen gewohnt. Von daher gehen wir davon aus, dass sie in der Lage ist, bei wärmeren Temperaturen mitzuhalten. Auf lange Sicht: Wir Förster denken ja nicht in zehn Jahren bis zum nächsten Waldzustandsbericht, sondern wir denken ja eher in 50 bis 100 Jahren. Und da wird sich schon was verändern in der langen Zeit.

Stand: 22.11.2017, 14:21