Busfahrer kritisieren Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd

Busfahrer kritisieren Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd

Von Christian Albrecht

  • Busfahrer: Schlechtes Betriebsklima bei den VWS
  • VWS weist Vorwürfe zurück
  • Zweckverband: Geschäftsleitung soll Krankenstand erklären

In der Spitze fielen bei den Verkehrsbetrieben Westfalen-Süd in den vergangenen Wochen bis zu 200 Fahrten täglich aus. Die VWS begründen das mit der Grippewelle, bis zu 30 Prozent der Fahrer waren nicht im Dienst.

WDR liegen anonyme Aussagen vor

Aus Angst vor Konsequenzen wollen sich die Fahrer nur anonym äußern. Dem WDR liegen mehrere Aussagen von Busfahrern vor, die dem Unternehmen ein schlechtes Betriebsklima vorwerfen - deswegen seien so viele Busfahrer krank.

Ein Mitarbeiter äußert sich anonym

Busfahrer äußern sich anonym

Ein Hauptvorwurf: Keine oder zu kurze Pausen zwischen einzelnen Fahrten - in den sogenannten Wendezeiten. Ein Busfahrer: "Wenn Verspätungen entstehen, müssen wir das ausgleichen. Wir können es aber nicht, weil wir keine Wendezeiten haben. Viele ältere Kollegen haben Probleme, die können nicht auf Toilette gehen. Wenn sie gehen, gibt es noch mehr Verspätung."

Gerhard Bettermann, Betriebsleiter bei den VWS, sagt zu den Vorwürfen: "Wir haben nach Gesprächen mit dem Betriebsrat […] bestehende Null-Wendezeiten am Bahnhof in der Verkehrsspitze beseitigt. Wir haben Wendezeiten [...] von ein bis drei Minuten eingepflegt."

Früher hätten diese Pausen bei sieben bis acht Minuten gelegen, beklagen die Busfahrer.

VWS findet Vorwürfe ungerechtfertigt

Die Busfahrer sagen auch, dass sie Angst vor Konsequenzen hätten, wenn sie sich krankmelden. Gerhard Bettermann kann das nicht nachvollziehen. Niemand müsse sich für Krankheit rechtfertigen, es würde keinerlei Druck ausgeübt.

Ein Busfahrer spricht sogar davon, dass die Fahrer sich gegenseitig bespitzeln würden: "Der Umgang zwischen Kollegen ist teilweise angespannt. Manche horchen andere aus, versuchen so an Informationen zukommen, die gezielt an die Geschäftsleitung weitergetragen werden."

Gerhard Bettermann, Betriebsleiter VWS

Gerhard Bettermann, Betriebsleiter bei den VWS

Dazu Gerhard Bettermann: "Das ist nicht unsere Art mit Mitarbeitern umzugehen, kann ich nur sagen. Natürlich gibt es, wie in jedem Betrieb, auch Gespräche, die etwas kritischer Natur sind. [...] Aber die Vorwürfe kann ich so nicht nachvollziehen."

Zweckverband will Vorwürfe prüfen

Der Zweckverband Personennahverkehr Westfalen-Süd will jetzt weitere Busausfälle verhindern. Er überprüft die Einhaltung des öffentlichen Nahverkehrsplans.

Der ZWS hat die Geschäftsleitung der Verkehrsbetriebe am Mittwochabend (03.04.2019) zu einer Versammlung eingeladen. Dort soll sie den hohen Krankenstand der Busfahrer erklären.

Verstöße kann der Zweckverband an die Bezirksregierung in Arnsberg melden, die dann eine Strafe wegen Ordnungswidrigkeit gegenüber den Verkehrsbetrieben verhängen kann.

Stand: 03.04.2019, 08:39

Kommentare zum Thema

8 Kommentare

  • 8 „Linientreuer“ Busfahrer 04.04.2019, 15:54 Uhr

    „Linientreu“ sehr gut gewählt! Hier jammern einige besonders ältere Kollegen auf hohem Niveau! Ja es ist in einfacher geworden als Busfahrer und die Gäste nicht netter! Vor allem aber sprechen die meisten kein Deutsch und haben keine blonden Haare! Die „Beamtenverhältnisse“ von damals sind nicht mehr und will keiner mehr bezahlen! Jetzt jammern einige so laut mit falscher Zunge das die Gewerkschaft tätig wird. Und am Ende der Geschichte haben faule Menschen mit faulem Weltbild doch mehr in der Tasche!!! Das ist die Wahrheit leider.

  • 7 Ehefrau eines Busfahrers 04.04.2019, 09:14 Uhr

    Ich möchte dem WDR danken, dass hier die Zustände der VWS berichtet wird und hier die Fahrer zu Wort kommen, wenn auch anonym, was auch angebracht ist. Denn sollte herauskommen wer etwas erzählt, wird gekündigt. Das was der Fahrer in Ihrem Bericht erzählt hat entspricht der Wahrheit. Was Herr Bettermann von sich gibt ist die Unwahrheit. Wendezeiten wurden verändert und dies nicht zu knapp. Wie will Herr Bettermann einen Bus in 2-3 Minuten wenden und dann noch einen Toilettengang absolvieren. Und hat Mann dann anschließend eine Pause, wird diese um die Zeit gekürzt, die der Dienst Verspätung hat. Aber vor allem ist es das Arbeitsklima was in den letzten Jahren sehr gelitten hat. Dienste werden verlängert, Ständig wird mit Kündigung gedroht, Fahrer die der Chefetage gut gesonnen sind werden als Spitzel eingesetzt. Und ein Betriebsrat soll verschwinden bzw. nicht gemacht werden. Hier geht es um die Gesundheit der Fahrer, die hierbei auf der Strecke bleiben oder nicht

    Antworten (1)
    • Gemeiner Bürger 04.04.2019, 12:08 Uhr

      Liebe Ehefrau eines Busfahrers, gut kann ich Sie verstehen, von Mensch zu Mensch und mit der Unterstellung eines gesunden und sozialen Verhaltens der Menschen untereinander, unabhängig von der Stellung innerhalb des Wirtschaftssystems. Die Aussagen des Herrn Bettermann im WDR-Interview sollte der informierte Bürger mit den Aussagen im ersten Drittel des WAZ-Artikels vom 03.04.2019 (Link siehe unten!) vergleichen. Kann es sein, dass es den Verkehrsbetrieben weder um das Wohl der Fahrgäste, noch um das Wohl der Busfahrer geht? Fungiert der Zweckverband als Verbündeter der VWS und berücksichtigt somit nicht die Interessen der Bürger? Geht es vielleicht ganz einfach darum, billigst Mitarbeiter - woher auch immer - einzusetzen, um die Rendite zu steigern? Fragen, die sich ein möglichst breit informierter Bürger selber beantworten sollte. Der Link zum WAZ-Artikel: https://www.waz.de/staedte/siegerland/bus-ausfaelle-die-vws-leiden-massiv-unter-dem-fahrermangel-id216821333.html

  • 6 Christian Sieg 04.04.2019, 00:38 Uhr

    Was haben die Herrschaften den vor 20 Jahren gemacht ?? Es war abzusehen das dieser Zustand eintritt. Nur hat es keinen interessiert, Ausbildung wie in der Industrie schon lange üblich brauchte man ja nicht. Es kam immer wieder ein Dummer welcher die Arbeit machte. Und jetzt ist das Kind im Brunnen und alle machen mimimimimimimimi

  • 5 Busfahrer 03.04.2019, 20:51 Uhr

    Ich möchte hiermit dem WDR danken, dass er einen so ausgeglichenen Bericht sendet und sich traut den gut vernetzten lokalen Großunternehmen einmal kritisch zu begegnen. Auch dass Sie Busfahrer zu Wort kommen lassen und deren Probleme thematisieren, finde ich sehr gut. Am unteren Ende der Nahrungskette findet man selten Gehör in der Öffentlichkeit/Medien, obwohl es immer mehr Menschen betrifft. Fragen Sie mal Arzthelfer, Altenpfleger, Krankenschwestern, Paketfahrer, Rechtsanwaltsgehilfen, ... - Vielen Dank!

    Antworten (2)
    • WDR.de 03.04.2019, 21:03 Uhr

      Vielen Dank für Ihr Feedback.

    • Carsten Tölzer 04.04.2019, 06:49 Uhr

      Oder zum Beispiel Beschäftigte in Behindertenwerkstätten. Die reinste Ausbeutung, aber die Öffentlichkeit interessiert es nicht. Die Menschen sind abgestumpft und denken nur noch an Profit. Leider... Warum ist der Mensch nur so geworden? ??

  • 4 Fadal 03.04.2019, 18:02 Uhr

    Das ist die letzte Bude geworden. VWS ist schon lange nicht mehr das was es mal war. Danke Wern.

  • 3 S. Haßler 03.04.2019, 17:28 Uhr

    Ich erlebe es nachmittags der Bus R27 von schameder nach Bad Berleburg der normal 15:50 Uhr abfährt aber unterschiedlich kommt mal ist er 16 uhr da oder 16:10 Uhr es ist einfach nicht mehr normal und ich bin auf den Bus angewiesen ich sitze an der Haltestelle bei jedem Wetter aber wenn man so lange da warten muss Dan ist es nicht lustig ich habe es mit Bussen vohher gesehen der um 14:50 Uhr ist pünktlich nur der eine nicht da wer es sinnvoll das sich da was ändern sollte

  • 2 Yyy 03.04.2019, 16:14 Uhr

    Das kommt ja nicht von ungefähr das sich so viele krank melden Bitte zur?ck treten Herr Bettermann

  • 1 xx 03.04.2019, 11:28 Uhr

    Wendezeiten von 1 bis 3 Minuten eingerichtet - lt. Betriebsleiter VWS : Wahnsinn - das muss dann ja wohl klappen - oder ? M.E. Betriebsleiter ablösen.