Erbstreit der Wittgensteiner Fürsten entschieden

Das nächtlich beleuchtete Schloss Berleburg

Erbstreit der Wittgensteiner Fürsten entschieden

  • Rechtsstreit um Fürstenhaus-Vermögen entschieden
  • Prinz Gustav darf Bad Berleburger Erbe antreten
  • Cousin will Verfassungsbeschwerde einreichen

Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg darf das millionenschwere Familienerbe antreten. Das hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden, wie am Donnerstag (30.07.2020) bekannt wurde.

Testament aus der NS-Zeit

Kernpunkt des royalen Erbstreits ist ein Testament, das noch aus der Nazizeit stammt. Darin hatte Gustavs verschollener und für tot erklärter Großvater verfügt, dass sein Enkel später Vermögen, Titel und Schloss erben soll - aber nur, wenn er mit einer Adligen verheiratet ist und diese, so sinngemäß: "arisch und evangelisch" ist.

Er ist aber noch ledig, seine Freundin ist eine Amerikanerin aus einer bürgerlichen Familie. Gustav hatte das Testament zurückgewiesen, da es nicht mehr zeitgemäß sei.

Cousin erhebt Ansprüche

Ludwig-Ferdinand, Cousin von Prinz Gustav, der ebenfalls Anspruch auf das Erbe erhebt, hatte deshalb bereits 2017 vor dem Landwirtschaftsgericht in Bad Berleburg geklagt und verloren. Er war dagegen in Revision gegangen.

Nun verlor er auch in zweiter Instanz vor dem Oberlandesgericht in Hamm. Das will auch keine Revision mehr zulassen. Die Begründung dazu ging am Donnerstag an die streitenden Parteien.

Fall fürs Bundesverfassungsgericht?

Obwohl eine Revision nicht zugelassen ist, geht der Streit trotzdem in die nächste Runde. Der Anwalt von Ludwig-Ferdinand will Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht einreichen, um prüfen zu lassen, ob die Richter zu einem unabhängigen Urteil kamen.

Rund 500 Millionen Euro Streitwert

Das Vermögen des Fürstenhauses ist millionenschwer. Alleine der Streitwert vor Gericht beträgt rund 500 Millionen Euro. Zum Erbe gehört unter anderem einer der größten Forstbetriebe Nordrhein-Westfalens.

Stand: 30.07.2020, 16:16