Eklat am Rande der Stolperstein-Verlegung

01:37 Min. Verfügbar bis 20.12.2022

Vergleich zwischen Juden-Verfolgung und Corona-Maßnahmen empört

Stand: 20.12.2021, 18:32 Uhr

Als der Künstler Gunter Demnig am Freitag in Lippstadt zum ersten Mal "Stolpersteine" verlegte, kam es bei der Gedenkfeier zu einem Eklat: Der Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde Paderborn verglich als Gastredner die Ausgrenzungen der Juden in den 1930ern mit den 2G-Maßnahmen gegen Corona.

Dieser Vergleich empört viele. Alexander Kogan sagte dabei wörtlich: "Ausschwitz ist nicht vom Himmel gefallen, das war ein Prozess".  Wer die Parallelen nicht sehen wolle, verschließe die Augen.

"Plötzlich kamen die Vergleiche"

Stolpersteine in Lippstadt

Alexander Kogan bei seiner Rede

Während der Veranstaltung wurde zunächst noch höflich applaudiert. Wohl auch, weil die Ansprache an einer vielbefahrenen Straße und nur durch einen kleinen Lautsprecher verstärkt nicht gut zu verstehen war.

"Das haben viele gar nicht richtig mitgekriegt. Zunächst hatte die Ansprache ja ganz normal begonnen. Erst zum Schluß kamen plötzlich diese Vergleiche," beschreibt es Beate Tietze-Feldkamp. Sie hat die Veranstaltung gemeinsam mit Kolleg:innen, Schüler:innen und mit Unterstützung der Stadt organisiert.

Dadurch wird der Massenmord an Millionen Juden verharmlost. Irith Michelsohn, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeine Bielefeld
Stolpersteine in Lippstadt

Die Verlegung in Lippstadt

Die gezogenen Vergleiche findet sie nicht nur unpassend, sondern empörend: "Jetzt kommen Leute, so wie er, der meint: weil er in einem Schuhgeschäft nicht einkaufen gehen kann, wenn er keinen Impfausweis vorzeigt, kann er sich mit diesen Opfern des Holocaust gleichsetzen - und das geht überhaupt nicht.

Das ist ja wirklich eine Verachtung der Menschen und des Schicksals der Menschen, die das von 1933 bis 1945 erleben mussten." Auch Vertreter von jüdischen Gemeinden zeigen sich schockiert.

Demnig spricht von Respektlosigkeit

Der Landesverband der jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe hat Alexander Kogan am Montag aufgefordert, sich von seinen in Lippstadt gemachten Aussagen zu distanzieren oder von seinem Amt zurückzutreten. Für einen Repräsentanten einer Jüdischen Gemeinde seien solche Äußerungen unerklärlich und untragbar.

"Wir distanzieren uns von den Äußerungen und verurteilen sie auf das Schärfste. Die aktuellen Corona-Maßnahmen sind in keiner Weise mit der Vorgehensweise der Nationalsozialisten zu vergleichen. Dadurch wird der Massenmord an Millionen Juden verharmlost." Sagt Irith Michelsohn als Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeine Bielefeld.

Kogan beruft sich auf Meinungsfreiheit

Künstler Gunter Demnig spricht von einer Respektlosigkeit, die er so seit Beginn seiner Aktionen 1996 nicht erlebt habe. Weitere Aktionen sind in den kommenden Jahren vorgesehen, weil mehrere jüdische Familien aus Lippstadt durch die Nationalsozialisten vertrieben oder ermordet worden sind.

Kogan hat sich in einer ersten Stellungnahme auf die Meinungsfreiheit berufen. Nach seiner Rede habe er auch viel Zustimmung per Mail erhalten, sagte er dem WDR am Montag.