Vergewaltigungen in Klinik: Werden weitere Opfer informiert?

Evangelisches Klinikum Bethel

Vergewaltigungen in Klinik: Werden weitere Opfer informiert?

Nach den Vergewaltigungen in einer Bielefelder Klinik sollen möglicherweise weitere Opfer benachrichtigt werden. Zuständig ist die Staatsanwaltschaft Duisburg.

In den Jahren 2019 und 2020 soll ein Arzt Frauen im Evangelischen Klinikum Bethel in Bielefeld vergewaltigt haben. Einige der Frauen wissen aber bis heute nicht, dass sie Opfer des Arztes geworden sind. Ob, wie und wann sie über die Taten informiert werden, entscheidet die Staatsanwaltschaft Duisburg.

Opfer fordern, alle Geschädigten zu informieren

Im Gespräch mit dem WDR erklärt Opferanwältin Stefanie Höke, den Standpunkt der Frau, die sie vertritt: "Meine Mandantin ist die, die als erstes Strafanzeige gestellt hat, durch sie kam das Ganze ins Rollen. Alle Geschädigten wollen, dass die weiteren Geschädigten informiert werden." Wenn das geschieht, müsse sofort eine therapeuthische Begleitung bei sein, fordert sie.

Auch Beatrice Tappmeier vom Bielefelder Frauenhaus fordert, dass die Opfer von den Taten erfahren: "Frauen, die eine Wesens-, eine Gefühlsveränderung wahrnehmen, die können das jetzt einordnen." Das allerwichtigste seien dann Hilfe und Angebote für die Frauen.

Das Evangelische Klinikum Bethel will sich nicht zu den Ermittlungen äußern, stehe aber weiterhin mit allen Beratungs- und Therapieangeboten zur Seite.

Dutzende Frauen narkotisiert und vergewaltigt

Der mutmaßliche Täter, ein Assistenzarzt, soll Dutzende Frauen narkotisiert und vergewaltigt haben. Dabei filmte er offenbar und führte Listen. Kurz nach seiner Verhaftung im September 2020 brachte er sich um. Deswegen hatten die Staatsanwaltschaft Bielefeld und die Generalstaatsanwaltschaft Hamm die Ermittlungen im Sommer 2021 abgeschlossen.

Die Behörden entschieden, zahlreiche Opfer nicht über die Taten zu informieren. Dagegen gab es große Proteste, unter anderem von den Anwälten bekannter Opfer.

NRW-Justizministerium gab Ermittlungsauftrag

Erst vor zwei Wochen hatte die Staatsanwaltschaft Duisburg mitgeteilt, dass sie im Auftrag des NRW-Justizministeriums neue Ermittlungsansätze gegen die Vorgesetzten des mutmaßlichen Täters prüfe. Dabei geht es um den Vorwurf des Verdachts der Beihilfe zur Vergewaltigung durch Unterlassen.

Bislang blieb die Vergewaltigungsserie durch den Arzt ohne strafrechtliche Folgen. Dagegen hatten zwei Opfer Beschwerde eingelegt, die die Generalstaatsanwaltschaft Hamm erst im August abgewiesen hatte.

Stand: 24.11.2021, 15:45