Der Umriss einer Mutter aus Lippe. Gegen ihren Ex-Partner liegt Verdacht wegen Kindesmissbrauchs vor.

Sexualisierte Gewalt? Mutter taucht mit Kind unter

Stand: 11.02.2022, 19:01 Uhr

Teil 2/2 - Vorwurf einer psychischen Krankheit der Mutter nicht erwiesen

Von Oliver Köhler und Manfred Kulecki

Bei Anna Korn gibt es bis heute keine abschließende Diagnose für das Münchhausen by proxy Syndrom. Im Gespräch mit dem WDR betont sie, dass sie niemals von Fachleuten untersucht worden sei. Sie erklärt die aus ihrer Sicht fehlerhafte Unterstellung einer psychischen Krankheit so:

Missbrauch: Was passiert mit den Kindern?

Aktuelle Stunde 06.06.2020 UT Verfügbar bis 30.12.2099 WDR Von Dorothea Schluttig

Als der Verdacht der sexualisierten Gewalt gegen Anton aufkam, sei sie nur deshalb wöchentlich zur Kinderärztin gegangen, weil diese sie einbestellt habe. Die Verletzungen an Antons Po hätten durch Fachpersonal regelmäßig kontrolliert und dokumentiert werden sollen.

Rechtswidrige Inobhutnahme durch Jugendamt

Das Jugendamt Lippe nahm das fragwürdige Gutachten von 2019 jedoch zum Anlass, Anton in Obhut zu nehmen. Um ihn dann schließlich bei seinem Vater unterzubringen. Anna Korn versuchte juristisch dagegen vorzugehen.

Das Verwaltungsgericht Minden gab ihr im November 2021 schließlich Recht. Die Inobhutnahme war laut Verwaltungsgericht rechtswidrig. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Der Kreis Lippe wollte sich auf Anfrage des WDR mit Verweis auf das laufende Gesamtverfahren nicht äußern.

Neue Ermilltungen gegen Vater

Das ursprüngliche Ermittlungsverfahren war gegen den Vater schon im Juli 2019 eingestellt worden. Es hätte sich kein hinreichender Tatverdacht ergeben, schreibt die Staatsanwaltschaft Detmold dem WDR.

Gleichzeitig bestätigt die Staatsanwaltschaft, dass nun wieder Ermittlungen aufgenommen worden seien. Wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch. Denn beim LKA seien Ende 2021 neue Hinweise eingegangen. Weder Antons Vater noch sein Rechtsanwalt wollten auf Fragen des WDR antworten.

Jugendamt reagiert auf Ermittlungen

Das Jugendamt Lippe stellte beim Amtsgericht Detmold einen Eilantrag, Anton aus dem Haushalt des Vaters zu nehmen. Zu diesem Zeitpunkt war die Mutter mit ihm bereits abgetaucht. Jetzt entschied die Richterin, dass Anna Korn ihren Sohn an den Vater herausgeben muss. Warum, bleibt der Öffentlichkeit verborgen.

Auf Anfrage des WDR antwortete der Direktor des Amtsgerichts Detmold schriftlich: "Die privaten Interessen aller Verfahrensbeteiligten, Eltern wie Kinder, sind als besonders schutzwürdig anzusehen, sodass die Erteilung von detaillierten Auskünften zum Verfahrensinhalt nicht erfolgen kann."

Befangenheitsanträge gegen Richterin

Der Rechtsanwalt von Anna Korn hat gegen die Richterin einen Antrag auf Befangenheit gestellt. Den hat der Direktor des Detmolder Amtsgerichts zurückgewiesen. Eine abschließende Entscheidung muss jetzt das Oberlandesgericht Hamm treffen. Anna Korns Anwalt hat dort Beschwerde eingelegt.

Bis das Ergebnis vorliegt, will Anna Korn auf jeden Fall mit Anton an ihrem geheimen Ort bleiben. Gegen sie liegen mittlerweile zwei Anzeigen ihres Ex-Partners vor: wegen Kindesentzugs und Behauptung falscher Tatsachen.