Der Umriss einer Mutter aus Lippe. Gegen ihren Ex-Partner liegt Verdacht wegen Kindesmissbrauchs vor.

Sexualisierte Gewalt? Mutter taucht mit Kind unter

Stand: 11.02.2022, 19:01 Uhr

Nach dem Verdacht auf sexualisierte Gewalt versucht eine Mutter ihr Kind zu schützen. Doch die Entscheidungen des Familiengerichtes in Detmold sind zweifelhaft.

Von Oliver Köhler und Manfred Kulecki

Eine Mutter aus Lippe hat einen furchtbaren Verdacht. Ihr Ex-Partner könnte dem gemeinsamen Sohn sexualisierte Gewalt angetan haben. Beim Versuch ihn zu schützen, wendet sich das Blatt gegen sie. Am Ende wird ihr sogar das Sorgerecht entzogen.

Mutter versteckt sich mit Sohn

Um die Identität von ihr und ihrem heute sechs Jahre alten Sohn zu schützen, nennen wir sie Anna und Anton Korn. Seit Anfang Januar 2022 hält sich die 40-Jährige zusammen mit dem Sechsjährigen an einem geheimen Ort auf. Illegal. Denn Anton müsste eigentlich bei seinem Vater sein.

Eine Mutter kämpft um ihr Kind - Die zweifelhafte Arbeit des Familiengerichtes

Lokalzeit OWL 10.02.2022 06:44 Min. Verfügbar bis 10.02.2023 WDR

Der Vater hat das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Doch gegen ihn gibt es den Verdacht des sexuellen Missbrauchs. Erste Ermittlungen wurden vor drei Jahren zwar eingestellt, jetzt aber wieder aufgenommen. Als Anna Korn davon erfuhr, tauchte sie mit Anton ab.

Missbrauchsverdacht schon vor Jahren

Anton kam 2015 zur Welt. Drei Jahre später trennten sich seine Eltern. Er lebte überwiegend bei seiner Mutter, besuchte den Vater regelmässig an Wochenenden. Ende 2018 hatte Anna Korn den ersten Verdacht. Anton wirkte verstört und hatte einen wunden Po. Anna Korn ging mit ihm zur Kinderärztin. Die riet zur Abklärung des Verdachts in einer spezialisierten Klinik in Paderborn. Die Experten empfahlen dem zuständigen Familiengericht in einem Schreiben, das dem WDR vorliegt:

Stellungnahme St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn

"Wegen des dringenden Verdachts auf akute Kindeswohlgefährdung durch sexuellen Missbrauch in wahrscheinlich mehreren Fällen, bitten wir Sie die Umgangskontakte (des Vaters, Anm. d. Red.) bis zum Abschluss der Verdachtsabklärung auszusetzen und die Gesundheitsfürsorge und das Aufenthaltsbestimmungsrecht im Rahmen einer einstweiligen Anordnung auf die Mutter zu übertragen.“

Familienrichterin folgte dem Rat der Kinderschutzexperten nicht

Statt der Empfehlung der Experten aus Paderborn sofort zu folgen, gab die zuständige Richterin am Amtsgericht Detmold im Frühjahr 2019 ein Familiengutachten in Auftrag. Für Anna Korn hatte das weitreichende Folgen. Ihr wurde schließlich das Aufenthaltsbestimmungsrecht für Anton entzogen.

Der Gutachter wollte bei der Mutter Anzeichen für eine mögliche psychische Krankheit festgestellt haben. Das so genannte Münchhausen by proxy Syndrom. Dabei handelt es sich um eine Form der Kindesmisshandlung. Der Mutter wurde vorgeworfen, sie habe bei ihrem Sohn Anzeichen einer Krankheit bzw. eines Missbrauchs vorgetäuscht oder aktiv erzeugt, um dies immer wieder medizinisch abzuklären.