Geschichtsunterricht in Ibbenbürener "Escape-Room"

Eine Gruppe Pfadfinderinnen mit blauem Halsband steht um einen Tisch und diskutiert verschiedene Schriftstücke.

Geschichtsunterricht in Ibbenbürener "Escape-Room"

Von Stephan Hackenbroch

  • "Escape Room" versetzt in die NS-Zeit
  • Ibbenbürener Realschüler üben Zivilcourage
  • Mutig wie der "Löwe von Münster"

Es geht um verbotene Predigten gegen den nationalsozialistischen Judenhass, geschrieben vom früheren Bischof von Münster, Kardinal von Galen: "Wenn ihr diesen Brief lest, bin ich verhaftet worden, oder Schlimmeres."

Mit diesen Worten beginnt ein Brief, den die Schüler beim Betreten des  "Escape-Rooms" finden. Der dunkle Raum ist in einem Klassenzimmer der Roncalli-Realschule in Ibbenbüren aufgebaut. 

Schüler erleben die Welt von 1941

Vor der schwarzen Tastatur einer Schreibmaschine liegt ein Brief der im Jahr 1941 datiert ist.

Brief an die Schüler im Escape Room

Der Raum beherbergt das Zimmer des Pfadfinders Karl im Jahr 1941. Karl hat Predigten des Kardinals von Galen, des so genannten "Löwen von Münster" vor den Nationalsozialisten versteckt. Die Schüler tauchen ein in die Welt von 1941, werden zu Pfadfindern im Untergrund, wollen die versteckten Predigten finden.

Großer Lerneffekt durch Miterleben

Ein mittels Stellwände aufgebauter und mit Stoffbahnen behangener Raum in einem Klassenzimmer.

Der Escape Room ist in einem Klassenraum aufgebaut

"Die Empathie ist bei so einem Modell viel größer als im Frontalunterricht", sagt Schulseelsorgerin Stefanie Bockolt. Gemeinsam mit der Ibbenbürener Elisabeth-Stiftung hat sie den mobilen "Escape Room" an die Schule geholt. Bis Freitag (22.02.2019) werden ihn alle Schüler der neunten und zehnten Klassen erleben. 

Antike Möbel, das schwarze Wählscheibentelefon - alles im Zimmer erinnert an die 1940er Jahre.  Aus Lautsprechern ertönen die Geräusche vorbeifahrender Autos, laute Schritte sind zu hören.

Auf einem Schreibtisch steht ein altes schwarzes Telefon mit Wahlscheibe vor einer Holzfigur.

Telefon und Deko sind historisch

Die Schüler zucken zusammen, sind schon tief in ihren Rollen. "Es ist eine Atmosphäre, als ob man sofort geschnappt und deportiert werden könnte", sagt der 15-jährige Fabian. 

Rätsel lösen und Inhalte vermitteln

Eine Stunde haben die Schüler Zeit, die Rätsel zu lösen und die versteckten Predigten zu finden. Spielleiter Matthias Hecking  verfolgt die Suche der Schüler über eine Kamera und schaltet sich ein, um Tipps zu geben.

Matthias Hecking überwacht in einem kleinen Büro als Spielleiter den Escape Room über drei Computerbildschrime und trägt Kopfhörer

Spielleiter Matthias Hecking hat sich den Raum ausgedacht

Gemeinsam mit einem Kollegen hat er sich den Raum ausgedacht. "Escape Rooms können mehr als nur Teambuilding. Ich glaube, dass man damit spielerisch erste Inhalte vermitteln kann." 

Schwierige Entscheidung über Zivilcourage

Im Tresor hinter einem Bild finden die Schüler die versteckten Predigten Kardinal von Galens. Zum Schluss muss jeder von ihnen eine schwierige Entscheidung treffen: Vernichten sie die Predigten und schützen so ihr Leben; oder gehen sie das Risiko ein und verteilen sie. 

Mädchen stehen vor einem kleinen Wandtresor hinter einem weggeklappten Gemälde

Im Tresor finden die Schüler die Predigten

Es beginnt eine Diskussion über Zivilcourage und Mut, und darüber, was jeder einzelne in einer solchen Situation machen würde. Für die 17-jährige Kira ist das "lebendig gewordener Geschichtsunterricht".

Escape Rooms - Wir müssen hier raus!

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 02.08.2018 | 19:06 Min.

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Stand: 20.02.2019, 20:00