Friseure setzen sich für Unisex-Preise ein

Damen Kurzhaarschnitt

Friseure setzen sich für Unisex-Preise ein

Von Abby Baheerathan

Ein Paderborner Friseur spricht sich für geschlechtsunabhängige Preislisten aus. In seinem Salon funktioniert das Konzept. Andere scheuen sich noch davor.

In Marco Leges Friseursalon in Paderborn zahlt die Kundschaft unabhängig vom Geschlecht. Die Preise werden mit "ab" deklariert.

Eine Preisliste auf dem Tresen hält fest, welche Leistung wie viel kostet. Haarlänge, Haardicke, verwendete Produkte und zusätzliche Leistungen wie Färben, Strähnchen oder Frisieren spielen dabei auch eine Rolle.

Friseursalons haben Angst vor Kritik

In verschiedenen Online-Friseurforen versucht Marco Lege, andere Friseurinnen und Friseure von geschlechtsneutralen Preislisten zu überzeugen. Die sind aber eher skeptisch. Der Friseurmeister glaubt: "Die meisten haben Angst, dass vor allem die Männer wegbleiben, weil es ihnen zu teuer wird". In seinem Friseursalon ist das ähnlich. Er hält aus Überzeugung aber an seinem Konzept fest.

UniseX Friseur Salon

Andere Friseursalons in Ostwestfalen finden das Konzept nicht überzeugend. Grund seien unterschiedliche Schnitttechniken bei Frauen und Männern. Marco Lege redet sich bei solchen Argumenten in Rage: "Völliger Quatsch! Gerade in der heutigen Zeit, mit der heutigen Mode tragen sowohl Männer als auch Frauen die selben Frisuren." Deshalb sei es nur fair, nach Zeit und nach Aufwand abzurechnen - und nicht nach "mit Brüsten oder nicht".

Frauen zahlen im Schnitt mehr

Die Antidiskrimierungsstelle des Bundes hat 2017 bei einer Studie festgestellt, dass 89 Prozent der Friseursalons in Deutschland bei gleichen Kurzhaarschnitten unterschiedliche Preise für Männer und Frauen kassieren. Dabei zahlen Frauen durchschnittlich 12,50 Euro mehr.

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Friseur schneidet lange Haare

Bei der Bielefelder Friseurmeisterin Leyla Alptekin ist es ähnlich. Ihre Kundinnen zahlen einen höheren Grundpreis als ihre Kunden. Alles Weitere wird nach Aufwand berechnet. "So bezahlen alle das, was sie auch in Anspruch nehmen."

Bei ihrer männlichen Zielgruppe handele es sich ohnehin um Männer, die überwiegend Maschinenhaarschnitte möchten. Die kosten grundsätzlich weniger als Schnitte mit der Schere. "So werde ich fair bezahlt und meine Kundinnen und Kunden bekommen einen fairen Preis", so Alptekin.

Preise nach Geschlecht in verschiedenen Branchen üblich

Auf dem freien Markt können schließlich alle selbst entscheiden, für welchen Preis sie ihre Leistungen anbieten. Deshalb sieht die Antidiskrimierungsstelle den Bedarf, Dienstleistende über geschlechterspezifische Preisunterschiede zu sensibilisieren. Dieses "Gender Pricing" ist nämlich auch in der Kosmetik-Branche, in Schneiderein oder in der Textilreinigung üblich.

Stand: 10.09.2021, 19:59