Uni Siegen schützt Rinder und rettet Löwen

Löwen-Männchen mit einem gerissenen Rind

Uni Siegen schützt Rinder und rettet Löwen

Von Stefan Michel

  • Leit-Löwen tragen GPS-Sender
  • Viehzüchter nutzen Alarm-App
  • Weniger Löwen vergiftet

Im Okavango-Delta im südafrikanischen Botswana gibt es einen virtuellen Zaun: Auf der einen Seite dieses "Zauns" leben Löwenrudel, auf der anderen Seite die Einheimischen mit ihren Rinderherden. Ein Löwe in jedem Rudel trägt einen GPS-Sender um den Hals. Und inzwischen 120 Viehhalter haben eine App auf dem Handy, die Forscher aus Siegen programmiert haben.

Sobald nun Löwen der virtuellen Grenze nahekommen, werden die nächst gelegenen Viehzüchter per Handy alarmiert. Sie haben dann noch genug Zeit, ihre Rinder in Sicherheit zu bringen.

Noch werden Löwen vergiftet

Seit fast zwei Jahren arbeiten Informatiker und Medienforscher aus Siegen und die Naturschutzorganisation CLAWS Conservatory in Botswana zusammen. Mit den Einheimischen haben sie das System zum Schutz der Herden (und der Löwen) ausgetüftelt. "Es werden zwar immer noch Löwen vergiftet", räumt der Siegener Forscher Helmut Hauptmeier ein. "Aber es sind deutlich weniger als früher."

Sieben Männer und Frauen vor Geländewagen

Das Team mit den Siegenern Konstantin Aal (2. v.l.) und Hauptmeier

"Dort, wo die Bevölkerung uns sehr entgegen gekommen ist, hat die Zahl der Angriffe von Löwen abgenommen und das Verhältnis zu den Löwen hat sich positiv entwickelt." Wo die Menschen dagegen besonders skeptisch gegenüber modernen Technologien seien, "werden Löwen immer noch bevorzugt vergiftet."

Voraussetzung: Guter Handy-Empfang

CLAWS verpasst den Raubkatzen die Sender: Ein Tierarzt betäubt die ausgewählten Löwen. Sie bekommen ein Halsband, das sie nicht stört, mit einem Sender, der zwei bis drei Jahre zuverlässig funktioniert. Bis zu 5.000 Dollar kostet das bislang pro Löwe.

Jeder Löwe mit Sender hat einen Namen, der beim Handy-Alarm auch angezeigt wird. Und je nachdem, ob der Empfänger lesen kann oder nicht, bekommt er eine Textnachricht, eine Skizze oder ein Audio. Tatsächlich hat im Okavango-Delta "fast jeder ein Handy", sagt Hauptmeier. "Und auch die Verfügbarkeit der Telefonnetze ist gut."

Längst denken die Siegener über andere Anwendungsmöglichkeiten dieses Systems nach: In Nordamerika könnte es die Viehhalter vor Wolfsrudeln warnen, in Zentralasien vor Schneeleoparden und in Tasmanien vor dem Tasmanischen Teufel, einem ziemlich bissigen Beuteltier.

Acht Handys mit Löwen-Warnungen

Verschiedene Ausspiel-Möglichkeiten

Stand: 20.03.2019, 06:30