Ein Rechtsanwalt aus Coesfeld hatte den Trikotsatz gesponsert. Die T-Shirts sind mit dem Logo seiner Kanzlei beflockt: StrafverteidigA. Das S am Anfang und das A am Ende sind groß und in runenartiger Schrift gedruckt – zusammengelesen ergibt sich daraus: SA.
Für Ortwin Swiderski ist der Fall ein Skandal
Für Ortwin Swiderski vom Deutschen Gewerkschaftsbund ein Skandal, der nicht zu übersehen sei, weil in dem Schriftzug klar zu erkennen ist: "Die Buchstaben S und A, also Sturmabteilung der NSDAP, und das hätte hier den Verantwortlichen, den Eltern auffallen müssen."
Mannschaftsfoto sorgt für Empörung
Ludger Kleinschnitker war geschockt
Aber erst, als ein Mannschaftsfoto der Kinder in der Zeitung für Empörung im Netz sorgte, hat der DJK Coesfeld reagiert. "Ich bin ziemlich geschockt, ganz ehrlich", sagt Vereinsvorsitzender Ludger Kleinschnitker. Für ihn sei erstmal alles zusammengebrochen. "Wir haben auch sicherlich Fehler gemacht, zu denen wir stehen, und die wir sicherlich auch kritisch hinterfragen müssen, gar keine Frage."
Sponsor weist Vorwürfe zurück
Der Sponsor der Trikots, ein Coesfelder Rechtsanwalt, hat im NSU-Prozess Ralf Wohlleben verteidigt. Er hat inzwischen einen Medienanwalt eingeschaltet. In einem Brief an den WDR lässt der Rechtsanwalt mitteilen, er habe bei Veröffentlichung und Verwendung seines Kanzleilogos nicht "an das Zeichen 'SA' gedacht, das als Abkürzung für die Nazi-Sturmabteilung diente."
Weiter teilt der Anwalt des Sponsors mit, es habe keine subtilen Zeichen gegeben, der Schriftzug habe einen ganz anderen Hintergrund: "Unser Mandant ist seit jeher großer Metal-Fan (….) Unser Mandant wollte in seinem neuen Logo gerne eine Assoziation zu der Band "Metallica" wecken, deren Logo demjenigen unseres Mandanten jedenfalls in der grafischen Ausgestaltung ähnlich ist."
Darum habe er auch statt Strafverteidiger das Wort StrafverteidigA gewählt, auch als Anlehnung an den Begriff "Digga" aus der Jugendsprache.
Trikots wieder eingesammelt
Der DJK Coesfeld hat sich inzwischen in einem offenen Brief von dem Sponsor distanziert, sein Auftreten sei mit den Werten und der Haltung des Vereins nicht vereinbar, heißt es darin.
Die Kinder-Trikots wurden wieder eingesammelt. Damit sei der Fall aber noch nicht abgeschlossen, sagt Vereinsvorsitzender Ludger Kleinschnitker: "Wir müssen das mit aller Härte und Konsequenz verfolgen, dass solche Sachen auf keinen Fall mehr in unserem Verein passieren werden."
Bürgermeisterin geschockt
Eliza Diekmann will mehr aufklären
Für Coesfelds Bürgermeisterin Eliza Diekmann soll der Fall nicht ohne Folgen bleiben: "Wir sind natürlich als Stadt total geschockt, dass so was passieren kann. Und das bedeutet für uns ganz klar: nur zu sagen, wir sind gegen rechts, reicht nicht, sondern wir müssen auch sensibilisieren, müssen auch ganz klar sagen: was sind so subtile Zeichen, die man auf den ersten Blick nicht erkennt."
Auch Ortwsin Swiderski vom Deutschen Gewerkschaftsbund will nicht lockerlassen: Er will in Coesfeld ein "Bündnis gegen Rechts" gründen .