Dringend gesucht: Handwerks-Azubis

Adrian Schubert hat seinen Traumjob als Betonbauer gefunden

Dringend gesucht: Handwerks-Azubis

Adrian Schubert hat mit 29 seinen Traumjob gefunden: Beton- und Stahlbetonbauer. Vorher hat er studiert. Damit ist der Siegener eine Ausnahme. Azubis fehlen in fast allen Handwerksberufen. Immer weniger Schulabgänger zieht es in klassische Ausbildungsberufe. Corona verstärkt die Probleme für Industrie und Handwerk.

Adrian Schubert aus Siegen hat sich Zeit gelassen. Zunächst studierte er acht Semester BWL, bevor er sich zu Ausbildung zum Beton- und Stahlbetonbauer entschloss. Jetzt ist er 29 und hat seinen  Traumjob.

Für den ist er oft wochenlang auf Baustellen unterwegs, übernachtet Vorort: Montage. Als Betonbauer bei Falkenhahn aus Kreuztal ist er körperlich gefordert. Das gefällt ihm viel besser als das Theorie-Pauken im Studium.

Wertschätzung der Kollegen

Zunächst kam nur ein Studium in Frage. Doch Jahr für Jahr merkte er mehr, dass BWL gar nicht zu ihm passt. "Arbeit auf Baustellen, die Wertschätzung der Kollegen, am Abend sehen, was man geschafft hat – das gefällt mir“, so Schubert.

Anders war es bei Timo Hupertz aus Drolshagen. Er kommt aus einem Handwerker-Haushalt. Nach einem Praktikum in einem EDV-Betrieb und beim Sanitärunternehmen entscheidet er sich fürs Handwerk.

Handwerk brummt

Eine Entscheidung, die im Coronajahr offenbar viele seiner Altersgenossen getroffen haben. Bei Enders gab es mehr Bewerber sonst. "Viele haben gemerkt, dass es in der Pandemie im Handwerk gebrummt hat, während die Industrie am Boden lag“, so Juniorchef Sebastian Enders.

Timo Hupertz hat sich klar für das Handwerk entschieden

"Außerdem haben wir trotz Corona weiter Praktika angeboten, während andere das komplett eingestellt haben“. Für Sebastian Enders der Schlüssel des Erfolges. Drei Auszubildende, also einen pro Ausbildungsjahr, beschäftigt die Firma derzeit. Das klappte in letzter Zeit nicht immer.

IHK besorgt

Über 1.500 freie Ausbildungsplätze gibt es laut der Industrie- und Handelskammer noch in der Region. Trotzdem meldeten sich nur 4 von 62 weiterführenden Schulen unter www.ausbildungsmesse57.de an. Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener findet dafür deutliche Worte: "Ein Skandal.“

Stand: 18.06.2021, 09:34