Wenn ein Kind stirbt: Eine Familie muss wieder zusammenfinden

Trauernde Eltern 06:01 Min. Verfügbar bis 31.05.2022

Wenn ein Kind stirbt: Eine Familie muss wieder zusammenfinden

Kerstin, Thorsten, Laurenz und Louis Dornseifer aus Drolshagen haben ihre Tochter und Schwester verloren. Lara litt an einer Hirnfehlbildung. Sie starb vergangenes Jahr vor ihrem zehnten Geburtstag. Im Interview schildern die Eltern ihre Suche nach einem Neuanfang.

WDR:  Gibt es jemanden, von dem Sie sich in ihrer Situation verstanden fühlen?

Frau sitzt an einem Tisch

Kerstin Dornseifer aus Drolshagen

Kerstin Dornseifer: Lernen, dass Lara nicht wiederkommt, kostet ungeheuer viel Kraft. Es gibt die Familie, Freunde, die für uns da sind. Doch niemand, der das nicht selbst erlebt hat, kann diesen Schmerz nachempfinden.

Thorsten Dornseifer: Lara war laut, fröhlich, lebensfroh. Ich kann gut Stille aushalten. Die Stille jetzt ist grausam.

WDR: Wie schaffen Sie es trotzdem, jeden Tag aufzustehen?

Kerstin Dornseifer: Mein Terminkalender war von heute auf morgen leergefegt. Keine Termine mehr mit Lara. Keine Therapien, keine Arztbesuche. Es dauert mit der neuen Freiheit umzugehen.

Thorsten Dornseifer: Ich mache mir zu Hause die Musik an, die Lara gerne gehört hat. So versuche ich ihr nahe zu sein.

WDR: Sie sind jetzt eine vierköpfige Familie. Wie empfinden Sie als Familie den Verlust?

Kerstin und Thorsten Dornseifer erzählen von dem Verlust ihrer Tochter

Wie ist es, wenn das eigene Kind stirbt? Welche Hilfe wird trauernden Familie angeboten? Kerstin und Thorsten Dornseifer haben ihre Tochter Lara verloren. Sie starb letztes Jahr vor ihrem zehnten Geburtstag. Die Familie braucht jetzt eine Reha, um die Trauer zu bewältigen.

Kind sitzt in einem Rollstuhl

Lara starb vor ihrem zehnten Geburtstag

Thorsten Dornseifer: Jeder trauert anders. Unser Mittelpunkt ist nicht mehr da. Wir müssen als Familie neu zusammenwachsen. Es ist als Familie ein gemeinsamer Weg.

WDR: Schaffen Sie das?

Thorsten Dornseifer: Nein. Wir brauchen eine Familienreha, die auf Trauerarbeit spezialisiert ist.

Kerstin Dornseifer: Es gibt eine Klinik, die sehr professionell Trauerarbeit für Familien macht. Ärzte, Lehrer, Erzieher haben sie uns empfohlen. Unsere Versicherung hat die Reha in dieser Klinik zum dritten Mal abgelehnt. Es kostet mich soviel Kraft, zu kämpfen. Kraft, die ich nicht habe.

Mann sitzt an einem Tisch

Thorsten Dornseifer

Thorsten Dornseifer: Es gibt gute und schlechte Momente. Die schlechten Momente können zu schlechten Tagen, Wochen, Monaten werden. Die Trauer ist nicht das Problem. Wir müssen die richtige Lösung dafür finden.

WDR: Wie geht es für Sie weiter?

Kerstin Dornseifer: Wir müssen weiterkommen. Dafür brauchen wir Hilfe. Bei den Briefen, die wir an die Versicherung schreiben, habe ich das Gefühl, dass die das gar nicht lesen. Da kommt ganz viel Gefühlskälte rüber.

Thorsten Dornseifer: Bei der Arbeit denke ich nicht an Lara. Ich komme nach Hause, schließe die Tür auf und denke nicht an sie. Dann trete ich auf die zweite Treppenstufe. Da hat sie dann immer gerufen. Jetzt ruft niemand. Und das zerreisst mir die Brust. Ein Kind ist Zukunft. Man wünscht sich dann so etwas nicht. Der Plan war ein anderer.

Das Interview führte Katja Brinkhoff.

Stand: 16.06.2021, 11:07