15 Jahre Kinder-Trauerarbeit in Südwestfalen

15 Jahre Kinder-Trauerarbeit in Südwestfalen

  • "Die Muschel" kümmert sich um trauernde Kinder und Jugendliche
  • Mehr als 250 Fälle wurden in 15 Jahren in Südwestfalen betreut
  • Leiterin Kathrin Schumacher erzählt in dem Interview über ihre Arbeit in der "Muschel"

WDR: Wie gehen Kinder ihrer Erfahrung nach mit Trauer um?

Portrait Kathrin Schumacher

Kathrin Schumacher von "Die Muschel"

Kathrin Schumacher: Kinder sind spontan und neugierig, sie sind egoistisch im positiven Sinne, denn sie sorgen für sich und wollen versorgt sein. Sie "springen" in die Trauer hinein und ebenso schnell wieder heraus, wenn für sie etwas anderes wichtiger ist.

WDR: Welche Rolle spielt da so eine Trauergruppe wie "Die Muschel"?

Schumacher: Die Muschel gibt Hilfe zur Selbsthilfe und zur eigenen Entwicklung. Wir sind ein Anker in der turbulenten Zeit der Trauer. Ziel ist es neue Lebensperspektiven zu entfalten und Kraft zu schöpfen.

WDR: Wie arbeiten Sie in der Gruppe mit den Kindern?

Schumacher: Wir setzen uns offen mit dem Thema Tod und Trauer auseinander, bieten altersgemäße Aktivitäten an und arbeiten ganzheitlich - mit allen Sinnen. Manchmal mit ungewöhnliche Methoden, wie zum Beispiel einem Trommelworkshop, Picknick zwischen Gräbern oder einem Segeltörn.

Kathrin Schumacher (56) ist Heilpädagogin und kommt aus Lüdenscheid. Vor 15 Jahren hat sie „Die Muschel“ gegründet. Durch ihre damalige Arbeit im ambulanten Hospizdienst fiel ihr auf, dass es keine konkrete Trauerarbeit mit Kindern und Jugendlichen gab. Das war der Startschuss für „Die Muschel“.

WDR: Wie viele Fälle gab es in den vergangenen 15 Jahren?

Schumacher: In den fast 15 Jahren der "Muschel" konnten rund 250 trauernde Kinder, Jugendliche und Angehörige begleitet werden.

WDR: Was kann ich als Angehöriger tun, um trauernden Kindern zu helfen?

Portrait Kathrin Schumacher

Kathrin Schumacher.

Schumacher: Bei einem Trauerfall sollte der Alltag unbedingt beibehalten werden, denn hier bekommt ein Kind oder ein Jugendlicher den Halt und die Orientierung, die es/er in dieser Zeit des Chaos benötigt. Zudem sollten Erwachsene nie etwas sagen, was unehrlich ist und was sie später zurücknehmen müssen, denn dadurch wird Vertrauen nachhaltig zerstört.

WDR: Wer kann Sie bei ihrer Arbeit in der Trauergruppe unterstützen?

Schumacher: Die Arbeit in der Trauergruppe ist ehrenamtlich. Interessierte können sich jederzeit melden. In einem ersten Gespräch lernt man sich kennen, bekommt einen Überblick zur ehrenamtlichen Arbeit in der Muschel und durchläuft zu einem späteren Zeitpunkt eine etwa 50 Stunden umfassende Schulung.

Das Interview führte Elisabeth Konstantinidis.

Hier finden Sie auf der Seite der Johanniter weitere Informationen zur Trauerbegleitung.

Stand: 14.11.2019, 06:38