Steht Tönnies-Konzern vor dem Verkauf?

Steht Tönnies-Konzern vor dem Verkauf?

Der Fleischkonzern Tönnies hat in einem internen Schreiben auf die Gerüchte reagiert, dass ein milliardenschwerer Verkauf des Unternehmens geprüft wird.

Demnach pocht der geschäftsführende Gesellschafter Clemens Tönnies auf den Führungsanspruch seiner Familie. Am Donnerstag hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit dem Vorgang vertrauten Personen berichtet, dass Gespräche mit möglichen Bietern in den nächsten Wochen beginnen könnten.

Schreiben an die Belegschaft

In einem Schreiben an die Belegschaft, das auch dem WDR vorliegt, reagierten Clemens Tönnies und sein Sohn Maximilian auf die Berichte. Darin heißt es, dass die Tönnies-Gruppe wachse und in die nächste Generation gehe.

"Der Erfolg der vergangenen Jahrzehnte lässt uns nicht müde werden, weiterzumachen und in die nächste Generation zu starten", unterstreichen Clemens und Maximilian Tönnies in der Mitteilung: "Mit Maximilian ist die nächste Generation aktiv im Management, unser internationaler Expansionskurs geht Schritt für Schritt voran". Sie seien "bereit für die Zukunft im Unternehmen."

In dem Schreiben heißt es, dass "interessierte Gruppen" die Verkaufsgerüchte streuen würden. Allerdings sei es der Konzern selbst, der seine Märkte aktiv gestalte und auf Expansion dränge. Dieser Kurs solle fortgesetzt werden.

Kein offizieller Kommentar aus dem Konzern

Offiziell kommentieren wollen die Chefs des Fleischkonzerns die Verkaufsgerüchte nicht, sie dementieren aber auch nicht. Das lässt Raum für Spekulationen. Dass es Interessenten gibt, die bereit wären, rund vier Milliarden Euro für Tönnies zu bezahlen, halten sowohl Wirtschaftswissenschaftler als auch Gewerkschaftler für möglich.

Tönnies, der mit weitem Abstand größte deutsche Schlachtbetrieb, hatte mit über 16.000 Mitarbeitern im Jahr 2019 eigenen Angaben zufolge einen Umsatz von 7,3 Milliarden Euro eingefahren.

Corona-Skandal im Jahr 2020

Der Konzern mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück war nach einem Corona-Ausbruch im Stammwerk im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten. Über 1.500 Mitarbeiter hatten sich mit dem Virus infiziert.

In der Politik hatte es immer wieder Kritik an den Arbeitsbedingungen bei Tönnies gegeben. Clemens Tönnies, geschäftsführender Gesellschafter des Konzerns war daraufhin Ende Juni 2020 von seinem Posten als Aufsichtsratschef des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 zurückgetreten.

Konzern in Familienbesitz

Clemens Tönnies kontrolliert rund 45 Prozent der Anteile, bei Robert Tönnies liegen rund 50 Prozent. Im Konzern arbeitet auch Maximilian Tönnies, Sohn von Clemens Tönnies, der ebenfalls Gesellschafter ist und rund 5 Prozent der Anteile hat. Er war unter anderem mit der Expansion des Unternehmens im Markt für vegetarische Lebensmittel betraut worden. Tönnies ist dort unter anderem mit dem Marken "Vevia" und "Gutfried veggie" vertreten.

Stand: 19.03.2021, 16:41