Streit um Zitat: Tönnies-Klage gegen Kritiker abgewiesen

Außengelände der Tönnies Lebensmittel GmbH & Co. KG in Rheda-Wiedenbrück.

Streit um Zitat: Tönnies-Klage gegen Kritiker abgewiesen

Der Fleischkonzern Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück hat eine Klage gegen den Caritas-Vorstand Volker Brüggenjürgen verloren. Jetzt kündigt das Unternehmen weitere gerichtliche Schritte an.

Man werde prüfen, ob die in einem Zeitungsartikel getroffene Falschaussage über schlechte Wohnverhältnisse angeblicher Tönnies-Mitarbeiter weiter verfolgt werde, so ein Sprecher von Tönnies.

Klage nach glaubhafter Erklärung abgewiesen

Das Landgericht Essen hatte die Klage des Konzerns gegen den Gütersloher Caritas-Vorstand Volker Brüggenjürgen am Donnerstag abgewiesen. Brüggenjürgen habe glaubhaft erklären können, dass er in einem Zeitungsartikel falsch zitiert worden sei.

Streit um Zitat in Zeitungsartikel

Konkreter Auslöser für den juristischen Streit war ein Zeitungsartikel vom Juli 2020. Brüggenjürgen wird darin damit zitiert, dass in einem Haus in Rietberg drei Männer in einem verkommenen, 15 Quadratmeter kleinen Zimmer für 960 Euro Miete wohnen würden. Das soll er dem Verfasser des Artikels am Telefon gesagt haben – Bezug nehmend auf bulgarische Tönnies-Mitarbeiter. Am Tag danach greifen zwei andere Zeitungen das Zitat auf.

Brüggenjürgen spricht von Irrtum

Als wenige Tage später ein Tönnies-Sprecher bei Caritas-Vorstand Volker Brüggenjürgen per Mail genauere Umstände erfragen will, weil man sich um den Fall kümmern wolle, antwortet der sinngemäß, dass es sich um einen Irrtum der Zeitung handeln müsse.

Er habe gegenüber Medienvertretern klar gemacht, dass es sich in diesem Fall um Werkvertragsarbeiter bei einem Logistik-Unternehmen aus der Möbelbranche handele.

Klage nach Unterlassungsforderung

Weil aber der Autor des Artikels dabei bleibt, Brüggenjürgen habe am Telefon von Tönnies-Beschäftigten gesprochen, bekommt der Caritas-Vorstand im August Post von einer durch Tönnies beauftragten Rechtsanwaltskanzlei. Er wird aufgefordert, eine Unterlassungserklärung abzugeben. Brüggenjürgen weigerte sich, im September 2020 folgte die Klage von Tönnies.

Rechtsstreit geht vielleicht in die nächste Runde

Die wurde jetzt vom Landgericht Essen abgewiesen. Der Caritas-Vorstand zeigte sich nach dem Urteil erleichtert: es gehe um die Glaubwürdigkeit der Lobbyarbeit für Arbeitsmigranten. Tönnies-Justiziar Martin Bocklage will die Entscheidung nun auf den Prüfstand stellen. "Wir werden uns die Urteilsgründe genau anschauen", so Bocklage. "Wir behalten uns weitere Schritte vor. Denn: es steht noch im Netz. Es stand in der Zeitung. Die Unwahrheit ist nicht weg."

Stand: 01.07.2021, 17:11