Schlachtung bei Tönnies geht wieder los - Greenpeace demonstriert

Protestaktion von Greenpeace am Hauptwerk von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück

Schlachtung bei Tönnies geht wieder los - Greenpeace demonstriert

  • Schlachtung bei Tönnies startet wieder
  • 6.000 Schweine sollen geschlachtet werden
  • Greenpeace-Aktivisten demonstrieren

Seit Donnerstagmorgen (16.07.2020) wird bei Tönnies nach fast vierwöchiger Schließung wieder geschlachtet. Am ersten Tag standen 6.000 Schweine auf dem Plan. Aktivisten von Greenpeace protestierten auf dem Firmendach.

Greenpeace: "Schluss mit dem Schweinesystem"

Sie hatten bereits vor Beginn der Schlachtung eine Protestaktion angekündigt. Am Donnerstagmorgen flogen zwei Aktivisten dann direkt um 10 Uhr, als der Regen in Rheda-Wiedenbrück aufhörte, mit motorisierten Gleitschirmen auf das Dach der Firmenzentrale. Sie blockierten die Zugangstür zur Dachfläche und entrollten ein Banner. Darauf stand geschrieben: "Schluss mit dem Schweinesystem".

Ein Gleitschirmflieger landet auf dem Dach ver Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück.

Ein Gleitschirmflieger landet auf dem Dach der Firma Tönnies

Es sei ein Protest gegen das komplette System der Fleischerzeugung, sagt Dirk Zimmermann von Greenpeace Deutschland dem WDR: "Letztendlich gefährdet dieses System unsere aller Gesundheit - über Antibiotika-Resistenzen, über Nitrat im Wasser, über Ammoniak in der Luft. Die Tierhaltung heizt massiv die Klimakrise an. Wir brauchen einfach einen ganz grundsätzlichen Wandel in diesem ganzen System." Greenpeace fordert eine zweckgebundene Abgabe auf Fleisch, die auch den Landwirten helfen soll.

Weil sich die beiden Aktivisten auf dem Dach verbarrikadierten, überflogen Polizei und Feuerwehr gegen 12:30 Uhr das Gebäude mit einer Drohne. Anschließend flogen sie mit den Gleitschirmfliegern in Richtung Gütersloh, die Polizei verfolgte sie mit mehreren Fahrzeugen. Das Protest-Banner wurde nach vier Stunden abgehängt.

Start der Schlachtung unter Auflagen

Seit dem frühen Morgen werden die Tiere angeliefert. 600 Mitarbeiter der Schlachtung kamen in Autos und Kleinbussen an. Ein Sicherheitsdienst wies sie auf die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes hin. Vor Arbeitsantritt mussten sie zum medizinischen Check.

Die Öffnung des Betriebes ist mit hohen Auflagen verbunden: stetiger Luftaustausch, Mindestabstand, Mund-Nasen-Schutz und ständige Corona-Tests sind Pflicht. Dazu kommen ärztliche Checks und die genaue Beobachtung der Wohnsituation der Arbeiter.

Weitere Tests und Begehungen durch Wissenschaftler

Am Donnerstag gab es auch eine weitere Begehung mit Wissenschaftlern in der Zerlege-Abteilung des Betriebs. Hier wurden die meisten Coronafälle unter den Mitarbeitern festgestellt. Nachdem neue Filteranlagen im Lüftungssystem verbaut wurden, wollen die Mitarbeiter mit Kaltrauch die Aerosol-Ströme messen.

Wenn diese Tests gut ausfallen, könnten die Schweine auch bald wieder zerlegt werden. Bislang fehlt dazu noch die Genehmigungen der Behörden. Geplant ist ein Probebetrieb am Freitag (16.07.2020) in der Zerlegung mit bis zu 10.000 Tieren statt wie bisher über 20.000.

Nachdem sich knapp 1.400 von 7.000 Mitarbeitern am Tönnies-Hauptstandort in Rheda-Wiedenbrück mit dem Coronavirus infiziert hatten, war der Betrieb fast vier Wochen geschlossen. Bereits seit Dienstag (14.07.2020) durften die Mitarbeiter der Tochterfirma "Tillman's", die Fertigprodukte herstellt, wieder arbeiten.

Stand: 16.07.2020, 20:34