Selbstfahrender Bus: Test im Kreis Olpe beendet

Selbstfahrender Bus: Test im Kreis Olpe beendet 03:19 Min. Verfügbar bis 13.11.2021

Selbstfahrender Bus: Test im Kreis Olpe beendet

Von Arndt Brunnert

Der autonome Kleinbus SAM ist am Freitag im Kreis Olpe zum letzten Mal gefahren. Neun Monate lang war er unterwegs - zunächst in Drolshagen, zuletzt dann in Lennestadt.

Knapp 2.000 Leute nutzten SAM (Südwestfalen Autonom & Mobil) in dieser Zeit. Bezahlen mussten sie nichts. Eine erste Bilanz der Testphase fällt gemischt aus.

"Einsatz auf dem Land sinnvoll"

Es habe sich gezeigt, dass ein selbstfahrender Kleinbus auch auf dem Land sinnvoll sein kann - zum Beispiel, wenn sich der Einsatz eines großen Busses nicht lohnt. Das betont Professor Andreas Knie, der Wissenschaftler des Projekts.

In Lennestadt hat SAM Wohngebiete mit dem Rathaus und dem Bahnhof in Altenhundem verbunden. In Drolshagen fuhr SAM im Frühjahr.

Mehr Fahrgäste gewünscht

Drolshagens Bürgermeister Ulrich Berghof gibt zu, dass man sich mehr Fahrgäste gewünscht hätte, "aber Corona hat uns einen deutlichen Strich durch die Rechnung gemacht." Wegen Corona musste die Zahl der Sitzplätze auch von sechs auf vier reduziert werden.

Trotzdem sei die Akzeptanz für einen selbstfahrenden Bus bei vielen da gewesen, resümiert Forscher Knie. In der Testphase fuhr immer ein Begleiter mit, der im Notfall eingreifen konnte oder Fragen beantwortete.

 Günter Hennecke, Operator in der Testphase.

Günter Hennecke

Günter Hennecke ist so ein Begleiter oder Operator: "Die Technik ist gut. Er hält an, wenn's kniffelig wird." Auch seinen Weg fand SAM meist problemlos.

Bei Sicherheit noch Luft nach oben

Das Fahrzeug müsse noch nachgebessert werden, sagt hingegen Günter Padt vom Zweckverband Westfalen-Lippe, bei der Sicherheit und auch bei der Technik. Ein Getriebeschaden legte SAM einige Zeit lahm. Auf einer ursprünglich geplanten Strecke konnte er nicht fahren, weil sie zu steil ist.

Wildparker machten Probleme

"Das größte Problem aber", sagt Padt abschließend, "war, dass sich andere Autofahrer nicht an die Regeln gehalten haben. Sie haben ihre Pkw im absoluten Halteverbot abgestellt und das hat dem vollautomatisch fahrenden SAM erhebliche Probleme bereitet."

"Es waren zu viele Autos in der engen Stadt", bilanziert Mobilitätsforscher Knie. Weniger würden es aber werden, wenn viele SAMs zusammen mit den großen Bussen ein gutes ÖPNV-Angebot böten.

5G wäre nötig  

Sinnvoll und wirtschaftlich ist SAM aber nur, wenn er ohne Fahrer fährt. "Wir brauchen auch eine entsprechende Netzabdeckung", fordert Padt. "Wir brauchen 5G, damit das Fahrzeug wirklich vollautonom fahren kann." 

Bis dahin wird SAM wohl keinen Nachfolger bekommen. Derzeit wird das Projekt noch ausgewertet. Die endgültige Bilanz folgt dann in einigen Wochen.

Stand: 13.11.2020, 19:20