Terrorprozess: Anschlag auf Bielefelder Moschee geplant?

Verfahren gegen rechtsextreme "Gruppe S." in Stuttgart

Terrorprozess: Anschlag auf Bielefelder Moschee geplant?

Die so genannte Terrorgruppe S. hatte offenbar auch einen Anschlag auf eine Moschee in Bielefeld geplant. Das geht aus den Aussagen eines Angeklagten hervor, die am Dienstag am Oberlandesgericht Stuttgart gezeigt wurden.

Paul U. gilt als Schlüsselfigur im Prozess – er war derjenige aus der Gruppe, der die Polizei mit Informationen beliefert hatte. Er ist Hauptbelastungszeuge, aber auch Angeklagter. Bei der Polizei hatte er einen Tag nach dem ominösen Treffen der Gruppe Anfang Februar 2020 in Minden ausgesagt – noch bevor die Polizei die Gruppenmitglieder festnahm. Die Anfänge seiner insgesamt neun Stunden langen Verhöre wurden am Dienstag als Video vorgespielt – und offenbarten viel über das, was bei dem Treffen in Minden besprochen.

Mehrere Moscheen ins Auge gefasst

Demnach hatte der Chef der Gruppe, Werner S., seine Ziele unmissverständlich erklärt. Es sollte Anschläge geben, auf Moscheen vor allem, um von der islamischen Seite Gegengewalt zu provozieren: „Es soll Bürgerkrieg kommen“, habe S. gesagt. Und „es geht bis in den Tod“.

Zunächst war eine Großmoschee in Köln ins Auge gefasst worden – das hätte eine enorme Gegenreaktion hervorrufen können. Wegen der großen Polizeipräsenz in der Millionenstadt habe man das verworfen und mittelgroße Städte favorisiert, wo die islamischen Gemeinden eine regionale Bedeutung hätten.

Waffen bestellt und Geld gesammelt

Als erstes Beispiel sei Bielefeld ins Spiel gebracht worden. Fast alle Teilnehmer hätten Waffen bestellt, auch die beiden Mindener Teilnehmer: Gastgeber Thomas N. und Markus K. Und fast alle hätten Geldzusagen über 5.000 Euro gemacht, auch Thorsten W. aus Hamm, der Verwaltungsbeamte bei der Polizei.

Sorge in muslimischen Gemeinden

Das Islamische Zentrum ist eine von mehreren Moscheen in Bielefeld. In der Gemeinde sorgen die Nachrichten aus dem Gerichtssaal in Stuttgart für Unruhe. "Die NSU hatte auch eine Liste und da stand unsere Gemeinde explizit sogar drauf. Neu ist das nicht, es ist nur - die Abstände werden kürzer", sagte der Vorsitzende Amin Alich.

Dass die Terrorgruppe gezielt Moscheen angreifen wollte, um die Gesellschaft zu spalten, betrachtet auch der Zentralrat der Muslime mit Sorge. "Die Hassverbreitung, das ist das eigentliche Ziel dieser Täter. Das müssen wir wissen und dem müssen wir uns entgegenstellen", sagte der Vorsitzende Aiman Mazyek.

Die Pläne sind ein "Warnsignal"

Die „Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus OWL“ sieht die Pläne der Terrororganisation als Warnsignal. "Das zeigt für uns nochmals deutlich, wie groß das Vernetzungspotenzial und auch das Gewaltpotenzial der extrem rechten Szene ist", so Janine Tappe von der Beratungsstelle. Auch sie und ihre Kolleginnen und Kollegen beobachten jeden Prozesstag.

Telefone abgehört

Weil U. frühzeitig die Polizei eingeweiht hatte, wurden Telefone von Gruppenmitgliedern abgehört. Die Gespräche von Werner S. mit seinen „Kameraden“ wurden vor Gericht vorgespielt – und offenbarten einen Einblick in die Rollen der einzelnen Angeklagten. Thomas N. aus Minden, so der „Chef“ der Gruppe, sei ein knallharter, hochanständiger Typ. N. soll sich auch zur Mitfinanzierung eines Rückzugsortes der Gruppe in Süddeutschland bereit erklärt haben.

Über den zweiten Angeklagten aus Minden, Markus K., hieß es: „der steht gerade“ – übersetzt: auf den kann man sich verlassen. Über Thorsten W. aus Hamm erhoffe man sich Kontakte zu weiteren Kandidaten für die Gruppe.

Stand: 19.05.2021, 18:38