Prozess um "Terrorgruppe S.": Angeklagter ist sich „keiner Schuld bewusst“

Prozess um Terrorgruppe S. am Oberlandesgericht in Stuttgart-Stammheim

Prozess um "Terrorgruppe S.": Angeklagter ist sich „keiner Schuld bewusst“

Im Prozess um die so genannte "Terrorgruppe S." hat am Donnerstag der Angeklagte Tony E. seine Aussage fortgesetzt. Obwohl er laut Anklage als eine der treibenden Kräfte galt, bezeichnete sich E. heute als unschuldig.

„Ich bin mir keiner Schuld bewusst, weder damals noch heute“, sagte E. gegen Ende seiner etwa dreistündigen Aussage. Vor dem ominösen Treffen in Minden Anfang Februar 2020, das als Grundlage für die Terrorismus-Vorwürfe des Generalbundesanwalts gilt, sei in seiner Anwesenheit nie konkret darüber gesprochen worden, dass dort eine Gruppe gebildet werden soll, um Terrorakte zu verüben.

Im Vorfeld ging es nicht um Anschläge

Auch um Anschläge oder Gewaltakte sei es im Vorfeld nicht gegangen. Er sei sich sicher, so E., dass sich „ein Großteil der Angeklagten dagegen ausgesprochen hätte“ – auch er selbst.

Angeklagte soll Terroranschläge geplant haben

Bei dem Prozess geht es um insgesamt zwölf Angeklagte. Den Männern aus fünf Bundesländern wird vom Generalbundesanwalt vorgeworfen, eine terroristische Gruppe gegründet oder unterstützt zu haben.

Der Prozess läuft seit April am Oberlandesgericht in Stuttgart-Stammheim und soll nächste Woche fortgesetzt werden.

Es ging nur ums persönliche Kennenlernen

E. führte heute aus, er sei nach Minden gefahren, um dort interessante Menschen persönlich kennen zu lernen, die er vorher durch Chat-Gruppen kannte: „wenn man politisch etwas erreichen möchte“, sei es wichtig, gute Kontakte zu haben.

Insgesamt sprach E. von einer „riesigen Szene“. Für ihn sollte in Minden zwar eine neue Gruppe gegründet werden, jedoch als Alternative zu den Gruppen, in denen er sich vorher aufhielt; mögliche Themen seien „Heimat, Asylpolitik, Demonstrationen“ gewesen.

„So etwas wie Freundschaft“ zu S.

Zu Werner S., dem Namensgeber der mutmaßlichen Terrorgruppe, habe er „schon so etwas wie Freundschaft“ empfunden. Für ihn wäre er der Kopf einer neu zu gründenden Freikorps-Gruppe gewesen, neben ihm selbst und einem weiteren Mann, der dann aber nicht zu dem Mindener Treffen gekommen sei.

E. selbst war nach eigenen Angaben bereits zuvor Führungskraft im so genannten Freikorps Heimatschutz, einer mutmaßlich gewaltbereiten, bürgerwehrähnlichen Gruppe aus der rechten Szene.

Stand: 02.12.2021, 18:07