Seit Monaten läuft am Oberlandesgericht Stuttgart der Prozess gegen die sogenannte Terrorgruppe S.

Terror-Prozess um Gruppe S.: „Nur noch töten! Die werden alle bluten

Stand: 15.02.2022, 19:39 Uhr

Im Staatsschutzprozess am Oberlandesgericht Stuttgart gegen die so genannte Gruppe S. standen am Dienstag Aussagen des Angeklagten Thomas N. aus Minden im Mittelpunkt.

Von Thomas Wöstmann

Das Gericht ließ abgehörte Telefongespräche von N. vorspielen – in drastischen Worten sprach der selbstständige Handwerker über Gewalt gegen Andere.

Abgehörte Telefongespräche mit erschreckenden Aussagen

Thomas N. am Telefon zu folgen, ist nicht leicht. Er spricht sehr schnell, manchmal undeutlich, und er springt gedanklich immer wieder hin und her. Die abgehörten Gespräche, die am Dienstag vor Gericht vorgespielt wurden, geschahen kurz vor dem ominösen Treffen der Angeklagten in Minden Anfang Februar 2020.

N. sprach darin mit dem zweiten Mindener Angeklagten Markus K. und seinem Bruder; konkret über das bald anstehende Treffen, aber auch über seine Sicht auf das Leben in Deutschland. Die Bundesrepublik lehnte N. ab, er sah sich als Bürger des Deutschen Reichs.

Gespräche vermitteln diffuse Feindbilder

Die wollen uns verknechten und versklaven“: Wenn N. in den Telefonaten über „die“ spricht, bleibt er unkonkret. Seine Feindbilder erscheinen diffus: natürlich die damalige Bundeskanzlerin Merkel, aber auch „die Kanaken“, „die Moslems“, „die von der Antifa“. N. hat offensichtlich etwas gegen Ausländer, er fürchtet, dass Deutschland überfremdet wird: „Es wird immer schlimmer, die müssen alle raus“.

Darüber, wie das erreicht werden soll, lässt Thomas N. keinen Zweifel: „Es geht nur mit Gewalt, gewaltfrei geht gar nichts mehr“, heißt es im Gespräch mit seinem Bruder. „Die werden alle bluten! Nur noch töten! Weg mit dem Dreck!“ Kinder sollten sterben, sagte N. in erschreckenden Worten.

Verdeckter Ermittler sagt aus

Die für Dienstag angekündigte Aussage des verdeckten Ermittlers vom Landeskriminalamt verzögerte sich zunächst sehr lange; die komplizierte Technik streikte. Der Ermittler wurde im Gerichtssaal vernommen, während er in einem anderen Raum saß – Stimme und Äußeres wurden verfremdet in den Saal überspielt.

Zudem entschied sich das Gericht dafür, die Öffentlichkeit auszuschließen, obwohl die Mehrheit der Verteidiger dagegen war. Nach den Worten des Vorsitzenden Richters bestehe die Gefahr, dass der Ermittler trotz verfremdeter Stimme und Gestalt von Zuschauern erkannt werden könnte. Dies gefährde seine künftige Einsetzbarkeit als Ermittler.

Hintergrund zum Prozess der Terrorgruppe S.

Zwölf Männern wird am Oberlandesgericht Stuttgart vorgeworfen, Terroranschläge geplant zu haben. Der Prozess läuft seit April 2021.

Über dieses Thema haben wir am 15. Februar 2022 bei WDR 2 berichtet: Lokalzeit OWL, 09:31 Uhr.

Schattenkrieger: Der Neonazi-Geheimbund Hammerskins

die story 26.01.2022 43:36 Min. UT Verfügbar bis 31.12.2099 WDR Von Johanna Hemkentokrax, Axel Hemmerling, Julia Regis, Jochen Taßler