Westfälische Kirche mahnt zu Klimaschutz und Flüchtlingsaufnahme

Kirchturm vor Sonnenaufgang

Westfälische Kirche mahnt zu Klimaschutz und Flüchtlingsaufnahme

Mit Forderungen nach mehr Klimaschutz und Flüchtlingshilfe ist am Donnerstag die digitale Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen zu Ende gegangen.

Zum Abschluss appellierten die Mitglieder an die NRW-Landesregierung, mindestens 2.000 weitere Flüchtlinge aus Griechenland aufzunehmen. "Wir dürfen nicht warten, bis der Winter die Notlage noch prekärer werden lässt", hieß es. Allein in NRW hätten sich bereits fast 60 Kreise und Kommunen bereit erklärt, mehr Menschen als zugewiesen aufzunehmen.

Zudem müsse der Klimaschutz nach Ansicht des Kirchenparlaments stärker vorangebracht werden. Nötig sei eine "deutliche Beschleunigung der Energie-, Verkehrs- und Wärmewende in Deutschland", hieß es. Auch die westfälischen Kirchenkreise, Gemeinden und Einrichtungen sollten ihr Engagement für Klimaschutz verstärken.

Schutz vor sexuellem Missbrauch

Weiterhin beschloss die Synode ein neues Kirchengesetz, dass den Schutz vor sexuellem Missbrauch verstärken soll. Es schreibt Standards für den Schutz und den Umgang mit sexualisierter Gewalt vor. Demnach sind Mitarbeiter verpflichtet, bei ihrer Einstellung und später mindestens alle fünf Jahre ein erweitertes Führungszeugnis vorzulegen.

Wer wegen einer Sexualstraftat verurteilt ist, kann laut neuem Gesetz nicht eingestellt werden. Zudem soll es in allen Bereichen der Landeskirche Präventionskonzepte geben. Mitarbeiter müssen begründete Verdachtsfälle melden.

Haushalt bei sinkenden Kirchensteuer-Einnahmen

Weiteres Thema war der Haushalt der Landeskirche. Die Evangelische Kirche von Westfalen rechnet in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie mit knapp zehn Prozent weniger Kirchensteuereinnahmen als ursprünglich erwartet.

Das entspricht laut Finanzdezernat einem Betrag von bis zu 50 Millionen Euro. Eigentlich hatte die Landeskirche in diesem Jahr mit rund 520 Millionen Euro Kirchensteuer-Einnahmen gerechnet.

Sparkurs wird ausgebaut

Das sei hart, aber verkraftbar, sagte Finanzdezernent Arne Kupke. Die Landeskirche habe in den vergangenen Jahren immer vorsichtig geplant und setzt ihren Sparkurs fort. Personalkosten im Landeskirchenamt sollen weiter reduziert werden. Auch Sondermittel für Flüchtlingsarbeit werden ab dem kommenden Jahr schrittweise zurückgefahren.

Begrüßung durch Präses Kurschus

Annette Kurschus bei der Landessynode in Bielefeld

Archivbild: Annette Kurschus bei der Landessynode 2019 in Bielefeld

Präses Annette Kurschus hatte zum Auftakt den Einsatz der Mitarbeitenden in Kirche und Diakonie unter Corona-Bedingungen gewürdigt. Gerade jetzt werde die Kirche für Menschen da sein, sagte Kurschus.

Einsame Menschen nicht alleine zu lassen, Alten und Kranken beizustehen, das werde von der Kirche erwartet. Kurschuss hatte in ihrer Einführung außerdem dafür plädiert, auch Themen wie die Klimakrise nicht zu vergessen.

Entscheidungsorgan der Westfälischen Landeskirche

Die Landessynode ist das oberste Entscheidungsorgan der Evangelischen Kirche von Westfalen, die mit knapp 2,2 Millionen Mitgliedern die viertgrößte der bundesweit 20 evangelischen Landeskirchen ist.

Das kirchliche Parlament berät und beschließt den landeskirchlichen Haushalt, wählt den oder die Präses und ist für theologische Grundsatzentscheidungen und rechtliche Regelungen zuständig.

Stand: 19.11.2020, 16:18