"Gesichter der Sucht" an der Hanseschule Attendorn

"Gesichter der Sucht" an der Hanseschule Attendorn 04:06 Min. Verfügbar bis 06.02.2021

"Gesichter der Sucht" an der Hanseschule Attendorn

Von Thomas Fischöder

Am Mittwoch und Donnerstag vergangener Woche (29. und 30.1.20) fanden an der Hanseschule Attendorn Tage zur Suchtprävention statt. Ehemals Abhängige erzählten den Schülerinnen und Schülern ganz unmittelbar, wie sie ihre Sucht erlebt und auch überlebt haben: Referentin Deniz Vorhoff erzählt im Interview mit der Lokalzeit Südwestfalen, wie sie die Veranstaltung empfunden hat.

Deniz Vorhoff

Deniz Vorhoff, 37 Jahre alt, stammt aus Menden.  Sie war 23 Jahre lang an Bulimie erkrankt und ist wegen ihrer Suchterkrankung durch tiefe Krisen gegangen.  Als Referentin und Mitorganisatorin hat sie die Veranstaltung an der Hanseschule mitgestaltet.

Lokalzeit Südwestfalen: Wie war die Resonanz auf "Gesichter der Sucht"?

Vorhoff: Die Resonanz war sehr positiv. Natürlich waren die Kids auch überfüllt und überladen von dem ganzen Angebot. Aber wir haben an den Feedbackbögen und vor allem an den vielen Briefen, die wir geschickt bekommen haben, gesehen, dass sich viele Kinder noch einen weiteren Tag gewünscht hätten. Viele Kinder waren begeistert und regelrecht geflasht. Die fanden es alle gut, auf jeden Fall.
Das sollte man auf jeden Fall wiederholen. Wenn vielleicht auch nicht jedes Jahr. Es war sehr viel Vorbereitung nötig.

Lokalzeit Südwestfalen: Warum sind solche Suchtpräventionstage an Schulen wichtig?

Vorhoff: Unsere Welt ist immer reizüberfluteter und es ist schon wichtig, die Kinder zu sensibilisieren. Damit sie besser auf sich und ihr Umfeld aufpassen. In meiner Kindheit waren wir noch behüteter. Die Eltern sind heute oft arbeiten, haben kaum Zeit. Hinzu kommen die sozialen Medien, die sagen: Du musst so oder so aussehen, mein Auto, mein Haus. Das ist viel zu viel und vielleicht wissen die Kids dann manchmal auch nicht, wie sie das alles verpacken sollen. Plus dieses Erwachsenwerden.

Lokalzeit Südwestfalen: Was wollen Sie mit ihrem Vortrag vermitteln?

Vorhoff: Es ist wichtig, darauf aufmerksam zu machen, zu sensibilisieren, dass sie nicht in die falsche Bahn rutschen. Dass sie selbst ihr Leben in die Hand nehmen müssen. Und sich nicht von anderen beeinflussen lassen sollen. Zu sich selber stehen, dass man so wie man ist, perfekt ist in dieser Welt. Die müssen sich nicht verstellen oder verdrehen, toll aussehen. Was weiß ich, cool sein. So wie sie sind, sind sie genau richtig. Das ist, glaube ich auch das, was wir vermitteln wollen.

Lokalzeit Südwestfalen: Wie wurden die Präventionstage möglich?

Vorhoff: Die Schule war von Anfang an begeistert, hat uns vieles ermöglicht. Und die Schüler pädagogisch begleitet. Alles wurde durch Spendengelder finanziert. Viele Firmen haben uns unterstützt. Zusammen mit dem Förderverein haben wir das zusammengebracht. Bernd Goebel und ich haben die Veranstaltung über sieben Monate vorbereitet, vom ersten Konzept bis zur Durchführung.

Das Interview führte Thomas Fischöder.

Stand: 06.02.2020, 12:19