Ausgrabung bei Warstein: Suche nach Kriegsopfern

Ausgrabung bei Warstein: auf der Suche nach Kriegsopfern 05:18 Min. Verfügbar bis 13.10.2022

Ausgrabung bei Warstein: Suche nach Kriegsopfern

Zwischen Warstein und Rüthen hat es eines der größten Endphase-Verbrechen des Zweiten Weltkrieges gegeben: An drei Tatorten wurden 208 Zwangsarbeiter erschossen. Vieles ist noch nicht aufgeklärt: So fehlen weiterhin sieben Leichen. Auch 76 Jahre später wird nach ihnen gesucht.

Archäologe Manuel Zeiler

Archäologe Zeiler: "Anständig bestatten"

Es geht um Zentimeter: Ganz vorsichtig wird die Erdschicht abgetragen. Archäologe Manuel Zeiler von der LWL-Archäologie in Olpe schaut ganz genau hin. "Wir sind es diesen bis zuletzt geschundenen Menschen schuldig, dass sie zumindest anständig bestattet werden", sagt er.

Massenerschießungen in den Wäldern

Das ist einer der Gründe, warum er hier mit vielen Mitstreitern nach den letzten sieben noch nicht wiederentdeckten Leichen sucht. Im März 1945 wurden die 208 Menschen in den Sauerländer Wäldern erschossen. Sie mußten sich vor Gruben aufstellen und wurden dann durch Genickschuss getötet. Aus heutiger Sicht grundlos.

"Es lag wohl daran, dass einige lokale Nazi-Größen sie als Bedrohung für die Sicherheit sahen," erklärt Marcus Weidner vom LWL-Institut Westfälische Regionalgeschichte. Er erforscht seit Jahren den Massenmord, hat mit seinen Details zu den schlimmen Verbrechen ein weltweites Medieninteresse ausgelöst.

Fundstücke in Münster aufbereitet

Ein Foto eines der nicht gefundenen Opfer

Eines der noch nicht wiedergefundenen Opfer

Zur Zeit versucht er, möglichst viel über die Opfer zu erfahren. Bei der aktuellen Ausgrabung werden neben vereinzelten Knochen eine alte Armbanduhr und ein Zigarettenetui aus Metall gefunden.

Sie werden zusammen mit vielen anderen Fundstücken aus vorherigen Grabungen in Münster aufgearbeitet und untersucht. Außerdem möchte man die Gräber endlich kartieren. In den 1960-er Jahren waren die meisten Leichen umgebettet worden, fanden auf einem Soldatenfriedhof bei Meschede ihre letzte Ruhestätte.

Leichenspürhunde im Einsatz

Die Bezirksregierung Arnsberg unterstützte die Grabung, und auch eine Polizeistaffel mit Leichenspürhunden war im Einsatz. Letztendlich können sie die sieben fehlenden Leichen nicht finden. Stattdessen: nur die schon leeren Gräber. 

Zeiler und Weidner blicken gemeinsam auf ein altes Schwarz-Weißfoto. Es zeigt eines der Opfer. Die Angehörigen haben bis vor wenigen Monaten nicht gewußt, was aus ihrer Großtante geworden ist.

"Ihre Mutter wollte ihr Leben lang herausfinden, ob ihre Tochter vielleicht noch lebt, was passiert ist und wie sie gestorben sein könnte", berichtet Marcus Weidner. "Deshalb sind wir hier, deshalb wollen wir soviel herausbekommen wie es geht," ergänzt Manuel Zeiler.

Stand: 13.10.2021, 15:56