Stutthof-Prozess: Angeklagter leugnet weiter

Angeklagter im Stutthof-Prozess

Stutthof-Prozess: Angeklagter leugnet weiter

  • Angeklagter will keine Toten gesehen haben
  • 94-Jähriger lässt Aussagen vorlesen
  • Verteidung lehnt Gutachter ab

Im Prozess gegen einen ehemaligen KZ-Wachmann leugnet der 94-Jährige weiterhin, von den Tötungen in dem Konzentrationslager Stutthof gewusst zu haben. Der Angeklagte aus dem Kreis Borken hat am Dienstag (20.11.2018) vor dem Landgericht Münster weitere Fragen beantwortet. Dabei blieb er bei seiner Aussage, er habe während seiner Zeit in dem KZ bei Danzig keine Toten gesehen.

Angeklagter will von Morden nichts gewusst haben

Das Wort Krematorium habe er nicht genau gekannt, sagte der Anwalt des 94-Jährigen. Seiner Erinnerung nach sei er dem Teil des Lagers zugeordnet gewesen, in dem keine jüdischen Gefangenen untergebracht gewesen seien. Häftlingstransporte ins Lager oder die Registrierung der Gefangenen, all das habe der ehemalige KZ-Wachmann nicht mitbekommen. Auch von der Genickschussanlage des Lagers in Stutthof habe er erstmals gehört, als ihn der Staatsanwalt im Vorfeld des Prozesses dazu befragt habe.

Verteidiger liest Aussagen des Angeklagten vor

Angeklagter im Stutthof-Prozess

Die schriftlichen Antworten des 94-Jährigen wurden wieder von seinem Verteidiger vorgelesen. Das sei zwar ungewöhnlich, sagte der Richter, aufgrund des hohen Alters des Angeklagten und der Meinung eines ärztlichen Gutachters seien spontane Antworten jedoch problematisch.

Der Prozess soll am Donnerstag (22.11.2018) fortgesetzt werden. Dann will das Gericht unter anderem über ein Gutachten des Historikers Stefan Hördler entscheiden. Die Verteidigung lehnt den Gutachter als befangen ab.

Stand: 20.11.2018, 13:46