Offline: Siegener Studierende ohne Internet

Ein junger Mann schaut auf ein Laptop

Offline: Siegener Studierende ohne Internet

Von Andreas Reichenau

21 Studierende in einem neuen Wohnheim der Stadt Siegen warten seit Wochen auf funktionierendes Internet. Die Folge: Einige können keine Online-Vorlesung verfolgen.

Studieren und Leben ohne vernünftiges Internet - gerade in Corona-Zeiten: Für Pablo Monterrosa ist es ein Drama. Der 19-jährige Mann aus El Salvador ist Anfang Oktober aus Lateinamerika zum Studium nach Deutschland gekommen.

In Siegen hat er sich für Medienwissenschaften eingeschrieben und mit viel Glück ein modernes Studentenapartment im Zentrum bezogen. Fünf Minuten zum Unicampus, günstige Pauschal-Miete und nette Mitbewohner.

In seiner Heimat hat er eine deutsche Schule besucht und spricht perfekt Deutsch. Doch studieren kann er kaum. Nicht wegen Corona, sondern weil das Internet im neuen Wohnheim der Stadt Siegen nicht funktioniert.

Hohe Kosten fürs Handy

Fast alles läuft online in diesem Semester, aber Pablo kann die Vorlesung nur mit Hilfe von Freunden oder am Handy verfolgen. Oder auch gar nicht. Denn oft bricht die instabile Mobilfunkverbindung zusammen, dann herrscht Funk- und Vorlesungs-Stille.

Ein junger Mann sitzt an einem Schreibtisch und hält sich die Hand vors Gesicht

Marc Pauschardt ist offline

Das kostet zum einen jede Menge private Daten, aber auch Geld, klagt Pablo zusammen mit seinem Nachbar Marc Pauschardt. Auch bei ihm funktioniert das Internet nicht. Auch nicht über eine LTE-Box, die den 21 Studenten jeweils als Ersatz zur Verfügung gestellt wurde.

Telekom-Antrag schon im Februar gestellt

Eigentlich sollte das WLAN im neuen Wohnheim schon Anfang Oktober zum Einzug funktionieren. Aber bis heute hat die Telekom keine einzige Festnetzleitung freigeschaltet. "Ein Skandal", sagt Stefan Gaden von der Kommunalen Entwicklungsgesellschaft KEG der Stadt Siegen.

Er kann den Ärger seiner Erstsemester-Studenten gut verstehen. Der Antrag sei schon im Februar bei der Telekom gestellt worden, aber immer noch nicht ausgeführt.

Nach mehrfachen Beschwerden sei erst vor zwei Wochen ein Bagger angerückt und habe einen Graben für die Leitungen gezogen. Die liegen inzwischen, sind aber noch nicht durchgeschaltet. Jetzt hat die Telekom einen Termin Mitte nächster Woche (16.11.-20.11.2020) schriftlich versprochen.

Kein Kontakt mit den Eltern

Pablo und Marc, die beiden Neuen im Wohnheim, hoffen, dass es diesmal klappt. Schon mehrfach hat die Telekom ihnen gutes Internet versprochen. Doch jedes Mal ist es schief gegangen.

Beide würden gerne öfter mit ihren Angehörigen und Freunden in der Heimat über eine Video-Leitung im Internet sprechen. Aber das funktioniert im neuen Studentenwohnheim bislang nicht. Ein Armutszeugnis für den High-Tech-Standort Deutschland, so die beiden Studenten.

Stand: 13.11.2020, 21:08