Streit zwischen Siegener Krankenhäusern

Streit unter Siegener Krankenhäusern 02:41 Min. Verfügbar bis 18.06.2020

Streit zwischen Siegener Krankenhäusern

  • Jung-Stilling-Krankenhaus bewirbt sich um 42 neurologische Betten
  • Ohne Absprache: Kreisklinikum sieht darin Wortbruch
  • Gemeinsames Projekt "Medizin neu denken" in Gefahr

Die Geschäftsführung des Kreisklinikums Siegen ist sauer auf die Diakonie. Die will als Träger des Jung-Stilling-Krankenhauses eine neurologische Station mit 42 Betten aufbauen. Diese Pläne seien nicht mit den anderen Kliniken besprochen worden, hieß es in einer Pressekonferenz am Montag (17.06.2019).

Siegener Krankenhäuser mit eigenen Schwerpunkten

Jung-Stilling-Krankenhaus

Jung-Stilling-Krankenhaus Siegen

Auf solche Absprachen hatte man sich aber im Rahmen des Universitätsprojekts "Medizin neu denken" geeinigt. Denn die vier großen Siegener Krankenhäuser wollen gemeinsam eine Uniklinik werden - für den neuen Medizinstudiengang an der Universität Siegen. Dafür braucht jedes seinen eigenen Schwerpunkt.

Neurologieschwerpunkt war Kreisklinikum versprochen

Die Absprache war 2017: Das Kreisklinikum für die Neurologie, das Marienkrankenhaus für die Kardiologie, die Kinderklinik für die Pädiatrie und das Jung-Stilling-Krankenhaus für die Gastroenterologie.

Dr. Thomas Grünewald, Beauftragter der Uni Siegen für das Projekt, Bertram Müller, Geschäftsführer Kreisklinikum Siegen

Dr. Thomas Grünewald von der Universität und Bertram Müller vom Kreisklinikum

Die 42 neurologischen Betten, um die sich jetzt das Jung-Stilling Krankenhaus bewirbt, seien also dem Kreisklinikum versprochen gewesen. Das Siegener Klinikum hat in dem Bereich seit 40 Jahren seinen Schwerpunkt.

Vorwürfe des Kreisklinikums

Deswegen wirft die Geschäftsführung des Kreisklinikums der Diakonie Wortbruch vor. Es entstehe ein "Wettrüsten", statt des angedachten komplementären Wettbewerbs. Die Unternehmensstrategie der Diakonie sei anscheinend auf Maximierung ausgelegt, heißt es am Montag.

"Diakonie soll Gespräche aufnehmen"

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"Medizin neu denken" ist ein Modellversuch der Universität Siegen

"Die Vertreter der Diakonie sind seit rund einem dreiviertel Jahr nicht mehr zu den monatlichen Planungsgesprächen erschienen" sagt der Leiter des Kreisklinikums Bertram Müller. "Wir können dieses Projekt nur gemeinsam stemmen und daran halten wir fest. Wir sind zu Gesprächen (mit der Diakonie, Anm. d. Red.) bereit, aber nicht zu Kompromissen im Bereich Neurologie."

Stellungnahme der Diakonie

In einer Stellungnahme der Diakonie heißt es, der Antrag auf 42 neurologische Betten habe für sie nichts mit dem Projekt "Medizin neu denken" zu tun.  Man wolle niemandem etwas wegnehmen, sondern die neurologische Versorgung in der Region im Sinne der Patienten sinnvoll ergänzen. Am Projekt wolle man weiter mitwirken.

Beteiligte sollen "Chance nutzen"

Für den Projektbeauftragten der Uni Dr. Thomas Grünewald ist das Verhalten der Diakonie "nicht zuträglich". Trotzdem sagt er: "Wir machen die Türe nicht zu. Die Diakonie ist herzlich eingeladen wieder mit uns zu reden. Wir sind grenzenlos geduldig."

Stand: 18.06.2019, 15:08