Mischwald abgeholzt: Streit um Flugplatz Arnsberg-Menden

Flugplatz Arnsberg-Menden soll erweitert werden 05:34 Min. Verfügbar bis 13.07.2022

Mischwald abgeholzt: Streit um Flugplatz Arnsberg-Menden

Von Heinz Krischer

In Arnsberg gibt es Streit um den Ausbau des Flugplatzes, der der Firma OBO Bettermann gehört: In einem Naturschutzgebiet wurden dafür bereits Bäume gefällt. Im vorigen Jahr war die Startbahn mit einer halben Million Euro Förderung aus Steuermitteln verbreitert worden.

Am westlichen Ende der Landebahn des privaten Flugplatzes Arnsberg-Menden soll eine Art Sicherheitszone gebaut werden – rund 100 Meter lang. Dafür wurde bereits ein Stück Mischwald abgeholzt, außerdem soll ein Tal mit Erde angefüllt werden.

gerodete Waldfläche

Baumstumpf am Ausbaubereich des Flugplatzes - oben sieht man die Kante am Ende der Landebahn

Dem Betreiber des Flugplatzes liegen dafür zwar Genehmigungen unter anderem der Stadt Arnsberg vor. Doch genau darüber ärgern sich mehrere Naturschutzverbände.

Umweltschützer erfuhren nur zufällig von Bauarbeiten

Flugplatz Arnsberg-Menden

Bettermann Jet auf dem Weg zur Startbahn

Denn sie hätten bei solch einem Vorhaben offiziell beteiligt werden müssen, und zwar bevor eine Genehmigung erteilt wird. Tatsächlich hätten sie aber erst im Nachhinein und zufällig davon erfahren, sagt Herbert Bartetzko vom BUND.

Die Stadt Arnsberg sagt dagegen, für die Baugenehmigung seien alle Voraussetzungen erfüllt gewesen. Die Untere Naturschutzbehörde des Hochsauerlandkreises sei beteiligt worden. 

BUND prüft Klage gegen Ausbau

Herbert Bartetzko

Herbert Bartetzko

Mittlerweile haben die Naturschutzverbände eine Stellungnahme beim Hochsauerlandkreis vorgelegt – sie lehnen den Ausbau wegen der Folgen für die Pflanzen und Tiere ab. Der HSK prüft zurzeit die Stellungnahme. "Wenn sie folgenlos bleibt, überlegen wir, vor Gericht zu ziehen", sagt Herbert Bartetzko.

Ausbau mit Steuergeldern finanziert

Der private Flugplatz gehört der Mendener Firma OBO Bettermann. Schon im vorigen Jahr wurde die Piste um fünf auf 25 Meter verbreitert – unter anderem mit mehr als einer halben Million Euro Steuergeld. Die Begründung: Der private Flugplatz sei wichtig für den öffentlichen Flugverkehr, und aus Sicherheitsgründen.

Kritiker: Landebahn völlig überdimensioniert

Das aber bezweifelt eine Piloten-Gruppe, die sich für umweltfreundlicheres Fliegen einsetzt. "Am Flugplatz Arnsberg findet überwiegend Flugverkehr mit einmotorigen Flugzeugen statt", heißt es von einem der Piloten, der anonym bleiben möchte. "Für diese war die Landebahn auch vorher schon sicher. Von dem Landebahn-Ausbau profitieren meiner Meinung nach ausschließlich die Jets von OBO Bettermann."

Flughafen Dortmund ist direkt nebenan

Flugplatz Arnsberg-Menden

Entfernungen Bettermann - Arnsberg - Dortmund

Dabei gebe es in Dortmund einen Flughafen mit allen notwendigen Voraussetzungen. Für OBO Bettermann sei das aber keine Alternative, heißt es aus dem Unternehmen – wegen der längeren Anfahrt und der zeitaufwändigen Abfertigung. Dass vom Ausbau nur die Jets von OBO Bettermann profitieren, weist man ebenfalls zurück.

Firmensprecher weist Kritik zurück

"Diese Kritik sehen wir nicht berechtigt, da die nach europäischen Richtlinien verlangten generellen Ausbaustandards (insbes. Längen der Start-/Landebahnen) der Verkehrslandeplätze in Deutschland eher den zu den Jets vergleichbar großen Propellermaschinen zu Gute kommen", sagt Paul Schüpstuhl, er ist Architekt und Planer des Flugplatz-Ausbaus.

Auch die Kritik der Umweltschützer weist er zurück. "Den berechtigten Belangen des Umweltschutzes ist im Planungsverfahren in besonderem Maße vollumfänglich Rechnung getragen worden."

Stand: 13.07.2021, 12:02