Straßenwärter in NRW leben gefährlich

Straßenwärter in NRW leben gefährlich

Von Jörn Kießler

  • 1.900 Straßenwärter halten Straßen in NRW in Stand
  • 506 Unfälle in 25 Jahren
  • 19 Mitarbeiter wurden seit 1993 getötet
Ein Mann sitzt am Steuer eines Lkw, der auf der A4 eine Baustelle sichert

Der 55 Jahre alte Straßenwärter Claus Wirth sitzt im Sicherheitswagen auf der A4

Der Blick von Claus Wirth wandert vom rechten zum linken Rückspiegel seines Lastwagens und wieder zurück. Keine Sekunde lässt der 55-Jährige den Verkehr auf der A4 aus den Augen. Am Steuer des Sicherheitswagens sorgt der Straßenwärter der Autobahnmeisterei Freudenberg dafür, dass seine fünf Kollegen ihre Arbeit erledigen können.

In der Baustelle, die sich an diesem Tag vom Kreuz Olpe-Süd in Richtung Anschlussstelle Eckenhagen bewegt, reinigen sie die Abläufe entlang der A4. Obwohl sie dafür bei Regen und schlechter Sicht zu Fuß auf dem Fahrstreifen unterwegs sind, hat Wirth im Lkw den gefährlichsten Job.

19 tote Straßenwärter

"Die meisten Unfälle ereignen sich mit dem Sicherungsfahrzeug", erklärt Dieter Reppenhorst, Leiter der Autobahnniederlassung Hamm, zu der die Autobahnmeisterei Freudenberg gehört. "Oft fahren unachtsame Auto- und Lkw-Fahrer von hinten auf den Lastwagen auf."

Obwohl die Fahrzeuge eine Warntafel mit riesigen blinkenden Pfeilen hinter sich herziehen, passiert das oft. 506 Unfälle, an denen andere Verkehrsteilnehmer beteiligt waren, gab es laut Straßen.NRW zwischen 1993 und 2017. 19 Straßenwärter kamen dabei um.

Hinweise über CB-Funk

"Laut der Statistik ist das Risiko eines Straßenwärters, bei einem Arbeitsunfall ums Leben zu kommen, 13 mal höher als in der gewerblichen Wirtschaft", sagt Reppenhorst. Mit LED-Schildern, modernen Warntafeln, die über CB-Funk auf die Baustelle hinweisen, und Warnschwellen, die 100 Meter vor den beweglichen Baustellen ausgelegt werden, will Straßen.NRW das Risiko senken.

Auch die Mitarbeiter werden geschult. Seit 2014 wurden sie mit einem Risikoparcours für die Gefahren auf der Autobahn sensibilisiert. In den Betriebsfahrzeugen sind Schalensitze und Gurte verbaut, die im Fall eines Unfalls besseren Schutz bieten.

47 Prozent Nachtarbeit

"Und natürlich hat das Baustellenmanagement einen hohen Stellenwert", erklärt Reppenhorst. Mittlerweile finden laut Straßen.NRW 47 Prozent der Bauarbeiten nachts statt. Die beweglichen Baustellen dürfen jedoch aus gesetzlichen Gründen nur tagsüber unterwegs sein. "Das wäre sonst zu gefährlich", sagt Reppenhorst.

Das ist es für Wirth und seine Kollegen aber auch schon am Tag. Erst vergangene Woche fuhr ein Lkw dem Sicherheitswagen wieder den Rückspiegel ab.

Und auch an diesem Tag muss ein Lastwagen, der auf der linken Spur unterwegs ist, eine Volbremsung samt Ausweichmanöver hinlegen. Claus Wirth bleibt dennoch entspannt. "Ich mache den Job seit 39 Jahren", sagt er.

Stand: 03.04.2019, 16:55