Baumbesetzung im Storck-Wald: Neuer Streit in diesem Winter?

Diverse Banner unter einem Haufen von Gehölz

Baumbesetzung im Storck-Wald: Neuer Streit in diesem Winter?

Von Peter Cohrs

Sie sind wieder da: Umweltaktivistinnen und -aktivisten haben seit Anfang Oktober Bäume im Steinhauser Wald in Halle besetzt. Ende Februar hatten sie mit ihrem ersten Protest Erfolg: Der Süßwarenproduzent Storck verzichtete zunächst auf eine Rodung.

Das Unternehmen will sich auf dem Gelände vergrößern. Seit dem ersten Oktober darf das sieben Hektar große Waldstück abgeholzt werden, die Rodungssaison hat wieder begonnen. Die Umweltschützer befürchteten genau das - und haben innerhalb weniger Tage mehrere stabile Baumhäuser errichtet.

Besetzerinnen und -besetzer wollen auch im Winter ausharren

Sophie, Sprecherin der Baubesetzerinnen und -besetzer

Sophie, Sprecherin der Waldbesetzerinnen und -besetzer

Die Baumbesetzerinnen und -besetzer wollen bleiben, bis Storck die Erweiterungspläne aufgibt, falls nötig, auch über den Winter.

Deren Sprecherin Sophie, die ihren Familiennamen nicht nennen will, lässt daran keinen Zweifel: „Wir haben letzten Winter im Danni (Dannenröder Forst in Hessen, der 2019 ebenfalls von Umweltaktivisten besetzt worden war, Anm. d. Red.) gelernt, wie das funktioniert. Wenn Menschen das wollen, dann passiert das auch.

Im Moment lässt die Besetzer allerdings jedes laute Geräusch aufschrecken: Sie befürchten, dass ihr Camp jederzeit durch die Polizei geräumt werden könnte.

Storck will keine Räumung veranlassen

Davor brauchen die Aktivistinnen und Aktivisten keine Angst zu haben, versichert zumindest Süßwarenhersteller Storck. Unternehmenssprecher Bernd Rößler sagte dem WDR: „Unsere Haltung ist unverändert: Im Februar haben wir entschieden, wir werden uns nicht um eine Räumung bemühen. Das gilt nach wie vor.“

Stattdessen will das Unternehmen weiter von seinen Argumenten überzeugen: Für das gerodete Waldstück würden so viele Ausgleichsflächen geschaffen, dass der Waldbestand am Ende sogar größer sein werde als heute.

Der Laibach, ein kleiner Bachlauf, der im Zuge der Erweiterung verlegt werden müsste, wäre danach in einem ökologisch wertvolleren Zustand als im Moment. Argumente, die die Politik in Halle überzeugt haben: Die Erweiterungspläne des größten Arbeitgebers am Ort finden breite Unterstützung.

„Fridays for Future“ macht Gesprächsangebot

Die Baumbesetzer sind nicht die einzigen Aktivistinnen und Aktivisten vor Ort: Ein paar Meter weiter haben Umweltschützer von „Fridays for Future Halle“ ein Klima-Camp aufgebaut. Auch sie versuchen, für ihre Sicht der Dinge zu werben. Sie initiierten eine Online-Petition „StorckStoppen - Steini retten“.

Schon nach wenigen Tagen haben fast 80.000 Unterstützer (Stand: 12.10.2021) den Aufruf gegen die Rodung unterzeichnet.

Mit dieser Zahl an virtuellen Unterstützern im Rücken hat die örtliche „Fridays for Future“-Gruppe dem Unternehmen ein Gespräch angeboten. Am Sonntag (10.10.) schrieben sie an Storck, man finde einen persönlichen Austausch über die Situation wichtig.

Storck will nicht mit Initiatoren der Petition reden

Storck hat das Angebot mittlerweile abgelehnt, weil man mit dem Inhalt der Petition nicht einverstanden ist. „Die Petition ist ein Aufruf zum Boykott unserer Produkte. Das hat eine neue Qualität. Warum sollten wir uns mit Menschen an einen Tisch setzen, die zum Boykott aufrufen?“, sagt Storck-Sprecher Bernd Rößler.

Eine Lösung für den Konflikt ist nicht in Sicht: Storck bleibt dabei, dass die Erweiterung am Standort Halle ohne die Waldrodung nicht funktioniere. Umweltschützer und Baumbesetzerinnen und -besetzer sagen, sie werden ihren Protest fortsetzen, bis Storck die Pläne aufgibt.

Stand: 13.10.2021, 13:42