Stahlriese Benteler will 600 Stellen abbauen

Logo des Automobilzulieferers Benteler aus Paderborn

Stahlriese Benteler will 600 Stellen abbauen

Von Thomas Wöstmann

  • Fünf Werke sind betroffen
  • Grund sei die schwierige Lage auf dem Stahlrohrmarkt
  • IG Metall wirft Benteler Vertragsbruch vor

Der Stahlkonzern Benteler aus Paderborn will in den nächsten drei Jahren 600 Stellen abbauen. Das gab das Unternehmen am Donnerstagnachmittag (21.11.2019) bekannt. Die Arbeitsplätze sollen an den fünf Stahlrohrstandorten wegfallen: zwei am Stammsitz Paderborn, außerdem in Dinslaken, Bottrop und im niedersächsischen Lingen.

Gewerkschaft völlig überrascht

Die Gewerkschaft IG Metall zeigte sich von dem angekündigten Stellenabbau völlig überrascht - mit Benteler sei in einem Tarifvertrag vereinbart worden, dass bis Ende 2021 die Arbeitsplätze sicher seien. Für die Gewerkschaft ist es ein klarer Vertragsbruch. 2016 seien in einem Tarifvertrag mit dem Unternehmen Investitionen vereinbart worden; außerdem eine Arbeitsplatzgarantie bis Ende 2021. Im Gegenzug hätten die Mitarbeiter Abstriche beim Weihnachts- und Urlaubsgeld akzeptiert.

Benteler: Schwieriges Marktumfeld

Eine Konzernsprecherin sagte dem WDR, man hoffe auf Verständnis bei der Gewerkschaft und den Arbeitnehmern für diesen Schritt. Die ersten Gespräche darüber seien jetzt aufgenommen worden. Die Marktlage im Stahlrohrbereich habe sich viel schlechter entwickelt, als es vor drei Jahren absehbar gewesen sei: die Preise seien erheblich gesunken, außerdem seien wichtige Exportmärkte wie die USA und China nur noch eingeschränkt zu bedienen. Deshalb sei der Schritt notwendig. Nur so sei es möglich, einen Großteil der derzeit knapp 4000 Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten.

Benteler beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit 30.000 Mitarbeiter an 140 Standorten und erzielte zuletzt einen Umsatz von acht Milliarden Euro. Die Konzernspitze war vor Jahren von Paderborn nach Österreich umgezogen.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version berichteten wir, dass die Standorte Dinslaken und Paderborn am stärksten vom Stellenabbau betroffen seien. Diese Information ist laut Benteler nicht richtig.

Stand: 21.11.2019, 18:39