Elektronische Patientenakte startet in NRW

Ein Stetoskop hängt über einem Computerbildschirm, auf dem eine Patientenakte zu sehen ist.

Elektronische Patientenakte startet in NRW

Von Christian Michel

Zum 1. Januar haben Kassen-Versicherte Anspruch auf die elektronische Patientenakte. Die digitale Akte wird zunächst in zwei Regionen in Deutschland getestet, darunter auch in ausgewählten Arztpraxen in NRW.

Welche Medikamente bekomme ich, bei welchen Ärzten bin ich in Behandlung, wann wurde ich zuletzt geimpft? Bisher werden diese Informationen bei vielen einzelnen Ärzten gespeichert. Mit der elektronischen Patientenakte (ePA) sollen alle Daten gebündelt werden.

Von Beginn des Jahres an wird die elektronische Patientenakte in Berlin und rund 100 Praxen im Raum Düsseldorf und in Westfalen Lippe getestet. Zum 1. Juli 2021 ist die Einführung der ePA für die knapp 200.000 niedergelassenen Ärzte, Therapeuten und Krankenhäuser verpflichtend. Alle 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherte können dann über die ePA mit den sogenannten Leistungserbringern verbunden sein.

Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken werden vernetzt

Schon 2004 war gesetzlich festgelegt worden, dass dass alle Beteiligten im Gesundheitswesen, wie Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken besser und effektiver miteinander vernetzt werden sollten.

"Die elektronische Patientenakte ist dabei das zentrale Element", sagt Georg Diedrichs von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. Mit der ePA könnten Ärzte die Patienten besser und vor allem sicherer behandeln. "Wenn ich weiß, welche Medikamente ein Patient schon nimmt, kann ich viel besser Wechselwirkungen erkennen und ausschließen", erklärt Diedrichs.

Nutzung für Versicherte freiwillig

Für die Versicherten bleibt die Nutzung der elektronischen Patientenakte freiwillig. Weil die ePA eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen ist, entstehen den Versicherten keine zusätzlichen Kosten. Patienten erhalten die ePA bei ihrer Krankenkasse und können dann mit einer App auf die Akte zugreifen. Die Patienten entscheiden selbst, was in der elektronischen Patientenakte gespeichert wird und wer auf die Akte zugreifen darf. Wer die App nicht nutzt, kann mit seiner Gesundheitskarte und einer Pin, die man ebenfalls von der Krankenkasse bekommt, direkt in der Arztpraxis auf die Akte zugreifen.

Kritiker fürchten um Schutz sensibler Informationen

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Ulrich Kelber, sieht in der Art und Weise, wie Patienten ihre Daten freigeben können, einen Verstoß gegen die Europäische Datenschutzgrundverordnung. Das Bundesgesundheitsministerium teilt die Bedenken des Datenschutzbeauftragten aber nicht.

So ist die Einführung der ePA nicht unumstritten. Kritiker verweisen auf die Gefahren von Sicherheitslücken. Die britische IT-Nachrichten-Website "The Inquirer" berichtete im Januar 2018 von einem Hacker-Angriff auf die norwegische Gesundheitsbehörde Health South East. So wurden drei Millionen Akten offengelegt, mehr als die Hälfte der Bevölkerung war von dem Angriff betroffen. 

Stand: 01.01.2021, 06:00