Hövelhof: Gedenken an sowjetische Kriegsgefangene

Gedenkstunde für die sowjetischen Kriegsgefangenen in Hövelhof

Hövelhof: Gedenken an sowjetische Kriegsgefangene

In Hövelhof im Kreis Paderborn ist am Freitag an die Transporte sowjetischer Kriegsgefangener erinnert worden. Vor 80 Jahren, im Juli 1941, erreichten die ersten Züge den Bahnhof Hövelhof.

In den folgenden knapp vier Jahren wurden auf diesem Weg mehr als 300.000 gefangene Soldaten ins wenige Kilometer entfernte so genannte Stammlager (Stalag) 326 nach Stukenbrock gebracht.

Bis zu 65.000 Soldaten kamen ums Leben; die genaue Zahl lässt sich kaum noch ermitteln. Auf dem nahe gelegenen Soldatenfriedhof könnten in Massengräbern bis zu 60.000 Menschen begraben sein. Auch diese Zahl lässt sich vermutlich nicht mehr herausfinden.

Mit den Zügen kamen bis zu 1.000 Gefangene täglich

Befreite russische Kriegsgefangene im "Stalag 326" in Stukenbrock im April 1945.

Bei der Gedenkveranstaltung am Freitag wies Hövelhofs Bürgermeister Michael Berens dann auch besonders auf das große Elend der Gefangenen hin: "Hier standen die Barbaren mit den Knüppeln und haben die Menschen getrieben bis zum Lager". Zwischen Juli 1941 und März 1945 kamen täglich bis zu 1.000 Gefangene in Hövelhof an. Viele waren schon auf dem Transport gestorben, in den Waggons gab es oft nichts zu essen und zu trinken für die Gefangenen.

Auf dem "Russenpatt" fanden Viele den Tod

Auch den knapp sechs Kilometer langen Fußweg bis nach Stukenbrock überlebten viele der geschwächten Soldaten nicht. Auf dem "Russenpatt" - so nannten ihn die Menschen in Hövelhof - starben sie an Krankheit, Hunger oder Durst. Im Stammlager herrschten zudem katastrophale hygienische Verhältnisse.

Harte Arbeit in der Industrie

Viele überstanden zudem die harte Arbeit nicht. Die ohnehin entkräfteten Soldaten mussten in der Stahlindustrie im Ruhrgebiet, in der Möbelindustrie, auf dem Feld, im Wald oder im Handwerk arbeiten. "Ohne die sowjetischen Kriegsgefangenen in der Industrie hätte Hitler-Deutschland den Krieg gar nicht mehr so lange führen können", sagt Historiker Oliver Nickel, Geschäftsführer der Stalag-Gedenkstätte in Stukenbrock.

Aufruf zum Frieden und zur Versöhnung

Die Schicksale der sowjetischen Kriegsgefangenen bewegten die Redner bei der Gedenkveranstaltung tief. Christoph Rüther, Paderborns Landrat, mahnte: "Unsere Mission muss sein, immer wieder derer zu gedenken, die hier getötet und misshandelt wurden".
Und sein Amtsvorgänger Manfred Müller, Kreisvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, machte klar: "Wir stehen hier heute, um für Menschlichkeit, für die Demokratie und für Rechtsstaatlichkeit einzutreteten. Aber auch für Aussöhnung zwischen den Völkern. Wir stehen hier heute, um klar zu bekennen: Nie wieder Krieg"!

Stand: 23.07.2021, 16:22