WDR 5 Stadtgespräch: Wie geht es weiter mit dem Wintersport?

Stadtgespräch Wintersport

WDR 5 Stadtgespräch: Wie geht es weiter mit dem Wintersport?

Von Christina Jahnich

  • Klimawandel wirkt sich auf Wintersport aus
  • Alternativen für die Zukunft müssen her
  • Experten und etwa 180 Zuhörer diskutieren

"In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ist es mit dem Wintersport im Sauerland vorbei", Klimaexperte und Meteorologe Karsten Schwanke malte – basierend auf den sehr pessimistischen Prognosen von Fachleuten – ein düsteres Bild. "Wenn es so weitergeht, dann kriegen wir in den nächsten 80 Jahren nochmal sechs, sieben Grad drauf."

Auch am Donnerstag (15.02.2019) gab es etwa am Kahlen Asten tagsüber deutliche Plusgrade. Für den Winterberger Tourismus-Chef Michael Beckmann kein Grund zur Sorge. Im Sommer sei es zwar insgesamt wärmer geworden, die Winter hätten sich die Temperaturen in den vergangenen Jahren aber kaum verändert.

Stadtgespräch aus Winterberg: Schneekanonen gegen Klimawandel

WDR 5 Stadtgespräch | 14.02.2019 | 54:56 Min.

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Unsicherheitsfaktor Wetter

Stadtgespräch Wintersport

Das Publikum beteiligte sich an der Diskussion.

Dem Schnee auf den Pisten in den Winterberger Skigebieten mache die aktuelle Witterung wenig aus, meldete sich Liftbetreiber Christoph Klante aus dem Publikum. Der Grund sei unter anderem die niedrige Luftfeuchtigkeit.

Neben den steigenden Temperaturen sei die Unsicherheit ein wachsendes Problem, sagte Professor Ralf Roth, Leiter des Instituts für Natursport und Ökologie an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Ob Winter lang oder kurz, schneereich, nass oder trocken sind, darauf können sich die Verantwortlichen in den Skigebieten kaum noch einstellen.

Sind Schneekanonen zukunftsfähig?

Schneekanone auf dem Ettelsberg bei Willingen

Im Sauerland sind mehr als 600 Schneekanonen im Einsatz.

Für Dirk Jansen vom BUND sind Schneekanonen nicht zukunftsfähig: "Wollen wir unseren Naturraum industrialisieren, wollen wir hochrüsten durch Schneekanonen, die dann bei Plusgraden auch nicht mehr funktionieren?"

Der Wintersport sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, an dem viele Arbeitsplätze hingen, betonte Michael Beckmann. Dennoch machen sich die Liftbetreiber Gedanken über die Zukunft. Dazu gehört auch, nachhaltiger zu werden, so der Tourismus-Chef.

Neue Konzepte für den Tourismus

Man müsse sich neue Mobilitätskonzepte überlegen, also mehr Skifahrer dazu zu bringen, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, statt mit dem Auto anzureisen. Und auf Angebote abseits des Winters setzen, wie etwa Biken, Wandern und Familienurlaub.

Meteorologe Karsten Schwanke geht davon aus, dass die Zeit von "Ski und Rodel" in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts vorbei ist. "Es wird noch die nächsten Jahre mit all den Schwankungen möglich sein, Wintersport zu betreiben. Irgendwann müssen die Verantwortlichen entscheiden, ist es noch rentabel oder nicht."

Stand: 15.02.2019, 08:31