WDR 5 Stadtgespräch: Kontroverse um atomares Logistikzentrum Beverungen-Würgassen

Das WDR 5 Stadtgespräch wurde diesmal von einem Parkplatz gesendet

WDR 5 Stadtgespräch: Kontroverse um atomares Logistikzentrum Beverungen-Würgassen

Beim WDR 5-Stadtgespräch am Donnerstag Abend erhofften sich viele Bürger Antworten darauf, warum das Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Würgassen ein Logistikzentrum für schwach- bis mittelradioaktiven Müll werden soll.

Stadtgespräch einmal anders: Die Sendung wurde aus Corona-Schutzgründen von einem Parkplatz gesendet. Die Besucher konnten vor der Stadthalle Beverungen parken, übers Autoradio die Sendung verfolgen und durch das geöffnete Autofenster mitdiskutieren.

"Warum soll Würgassen Logistikzentrum für Atommüll werden?"

Dirk Wilhelm war einer von ihnen. Der 45-Jährige hat im ehemaligen Kernkraftwerk Würgassen eine Ausbildung gemacht: "Ich möchte gerne von Herrn Staatssekretär Flasbarth wissen, warum man uns hier - im verkehrstechnischen Nichts - zur zentralen Drehscheibe für Atommüll aus ganz Deutschland machen möchte".

Hintergrund: Auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks ist der Bau einer riesigen Halle geplant, in der schwach- bis mittel radioaktiver Müll aus ganz Deutschland gesammelt und dann für die Endlagerung im Schacht Konrad in Salzgitter bereitgestellt werden soll.

Kontaminierte Schutzkleidung, Filter, Chemikalien sollen eingelagert werden

Zwischengelagert werden sollen unter anderem kontaminierte Schutzkleidung und Filter, Abbruchmaterialien, radioaktive Chemikalien medizinische Strahlenquellen.

Der angesprochene Staatssekretär Jochen Flasbarth aus dem Bundesumweltministerium verteidigte die Pläne: "Es geht darum, für einen Zeitraum von 30 Jahren einen Standort zu finden, der geeignet ist; bei dem die Genehmigungsanforderungen also gegeben sind".

Experten des Bundes: "Würgassen logistisch und sicherheitstechnisch vorzugswürdig"

Damit gemeint sei vor allem, dass es in Würgassen schon ein Zwischenlager gibt - und einen Gleisanschluss, ergänzt Heinz-Walter Drotleff, Bereichsleiter bei der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung. Würgassen sei auch sicherheitstechnischer Hinsicht geeignet: "Wir haben nach logistischen Kriterien ein Ranking unter aller potentiellen Standorten gemacht. Und da hat sich Würgassen als vorzugswürdig zu realisierender Standort gezeigt".

Dem widersprach Beverungens Bürgermeister Grimm umgehend: "Wir wissen, dass die Schienen und die Bundesstraßenanbindung für gefährliche Transporte einfach nicht geeignet sind. Sie haben Kriterien angelegt, die aus unserer Sicht wirklich an den Haaren herbeigezogen sind".

Harsche Kritik aus der Bevölkerung

Viele Zuhörer vor Ort sprachen unterdessen von einem enormen Vertrauensverlust. Den Menschen im Kreis Höxter sei nach Ende des aktiven Kernkraftbetriebs in Würgassen dessen Rückbau zu einer grünen Wiese versprochen worden; das Versprechen aber werde nun aber nicht gehalten.

Außerdem verfügten die meisten Ortschaften rund um Würgassen, durch die die Atommüll-LKW rollen sollen, keine Ortsumgehung. Das bedeute eine enorme Lärmbelastung, sagten Anwohner.

Stand: 06.11.2020, 11:42