WDR-Stadtgespräch aus Paderborn: Mit Sport gegen Covid-19

Ein leerer Sportplatz.

WDR-Stadtgespräch aus Paderborn: Mit Sport gegen Covid-19

Paderborn sollte als Modellregion Sport starten. Doch die Inzidenzwerte sind zu hoch. Das Stadtgespräch hat Probleme des Breitensports beleuchtet - auch die Ungerechtigkeit.

Was ist noch verhältnismäßig, das muss doch erlaubt sein? fragt Moderator Mathias Bongard stellvertretend für viele Menschen auf Facebook. "Ganz viele Vereine beklagen, dass Berufssportler ihre Arbeit ausüben dürfen, im Breitensport aber nichts geht. ", berichtet Sportreporterin Anke Feller. Und die Vereine haben keine Lobby. Neben dem Gefühl der Verwirrung ist da auch der Eindruck ungerecht behandelt zu werden, ergänzt der Leiter des Paderborner Sportamts, Dirk Happe.

Ein Beispiel hat Thomas Schäfers, Vorsitzender eines Fußballvereins in Paderborn. Er berichtet davon, wie schwierig die Situation ist. Durften früher noch 20 Kinder mit einem Trainer spielen, seien es jetzt noch fünf. Da könne man nichts mehr anbieten. Gleichzeitig sehe er auf dem Sportplatz viele Kinder, die ohne Masken spielen. Er wolle die Situation aber nicht bewerten, da er im Krankenhaus arbeite.

Katastrophale Situation im Breitensport

Mathias Bongard im Studio

Moderator Mathias Bongard

Tatsächlich ist die Situation sehr unübersichtlich. Sport in Schulen ist die Ausnahme. Und während die Kinder noch in Kleingruppen trainieren dürfen und da auch schwimmen möglich ist, ist der Breitensport fast komplett im Dauerlockdown: Die Fußballsaison ist abgesagt und annulliert, Fitnessstudios bleiben geschlossen. Nur Reha-Sport mit medizinischer Bescheinigung und Individualsport, wie Reiten, Golf oder Laufen sind möglich.

Professor Hans-Joachim Schmid: Hierarchie schaffen

Aerosolforscher Hans-Joachim Schmid

Aerosol-Forscher Hans-Joachim Schmid

Der Aerosol-Forscher Hans-Joachim Schmid von der Uni Paderborn fordert eine hierarchische Lösung. Draußen sei eine Ansteckung sehr gering. Selbst Fußball sei relativ unkritisch. Die meisten Übertragungen gebe es im Innenraum, wobei auch kleine Gruppen in große Hallen möglich seien. "Wir brauchen eine Hierarchie an Gefahren", so Schmid.

Dabei betont der Forscher, dass oftmals der Sport unproblematisch sei, aber zum Beispiel das Duschen nach dem Training Risiken beinhalte. Er wünscht sioch, dass die Menschen die wahren Gefahren erkennen.

Auch Laufveranstaltungen verboten

Doch bisher seien auch Laufveranstaltungen draußen vom zuständigen Gesundheitsamt abgelehnt worden, weil am Start und Ziel viele Menschen zusammenstehen, führt Dirk Happe weiter fort.

Hygiene, Tests und Nachverfolgung

Projektleiter Dirk Happe

Projektleiter Dirk Happe

Happe ist auch Projektleiter der Moedellregion Sport in Paderborn, die vom Land ausgewählt wurde. Das Konzept sieht ein gemeinsames Netzwerk von Sportlern, Wissenschaftlern und Medizinern vor. Der Ahorn-Sportpark, ein Fitnessstudio und Schwimmbäder öffnen - alles mit strengen Regeln.

Die Kontakte müssen nachverfolgt werden können, vor dem Training steht ein Coronatest an. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und Öffnungen für ganz NRW erproben.

Sport kann Covid-19 Erkrankung beeinflussen

Eine Studie aus den USA hat ergeben, dass weniger aktive Menschen im Durchschnitt schwerer erkranken und ein größeres Todesrisiko haben. Nicht-Sportler hatten ein doppelt so hohes Risiko, als Corona-Patienten im Krankenhaus behandelt zu werden im Vergleich zu aktiven Menschen.

Für den Landtagsabgeordneten Daniel Sieveke (CDU) ist auch deshalb das Ziel klar. "Wir sollten alles dafür tun, dass die Modellregion an den Start gehen kann.."

Stand: 22.04.2021, 21:10