Halle: Strafantrag gegen Waldbesetzer - Ultimatum für Räumung

Waldbesetzer sperren den Zuganz zum Wald bei Halle/ Westf.

Halle: Strafantrag gegen Waldbesetzer - Ultimatum für Räumung

Die Stadt Halle hat Strafanzeige gegen die Umweltaktivisten im Steinhauser Wald gestellt. Seit Sonntag besetzen sie das Waldstück im Kreis Gütersloh. Nun haben sie ein Ultimatum für die Räumung bekommen.

"Es handelt sich hierbei um Eigentum der Stadt", sagte Bürgermeister Thomas Tappe. Seiner Auffassung nach ist der Tatbestand des Hausfriedensbruchs erfüllt. Er setzte den Umweltaktivisten ein Ultimatum. Bis Mittwochabend sollten sie den Wald geräumt haben. Die Aktivisten bezeichneten das als "Frechheit". Tappe schloss eine Räumung durch die Polizei nicht aus.

Der Streit dreht sich um den Süßwarenhersteller Storck. Er will sein Betriebsgelände erweitern und dafür den Wald roden.

Aktivisten wollen bis Ende der Woche durchhalten

Es sind etwa 40 Umweltaktivisten der Organisationen "Extinction Rebellion" und "Ende Gelände Bielefeld", die seit Sonntagmorgen den aus ihrer Sicht schützenswerten Mischwald besetzen, um seine Rodung zu verhindern. Der Steinhausener Wald sei Lebensraum zahlreicher Vogel- und Fledermausarten, argumentieren sie.

Umweltaktivisten besetzen Waldstück bei Halle/Westfalen

Sie sind in etwa zehn Bäume geklettert und haben dort Plattformen errichtet. In teilweise mehr als 20 Metern Höhe verbringen die Umweltschützer bei 10 bis 11 Grad die Nächte. Am Boden versperren immer neue Barrikaden aus Baumstämmen die Zufahrten.

Sympathiebekundungen der Anlieger

Umweltschützer besetzen Waldstück gegen Storck-Betriebserweiterung

Am Dienstagmorgen hatten Anwohner des besetzten Waldstücks in Halle den Baumbesetzern Frühstück in den Wald gebracht. Es gab Porridge und warmen Tee von Nachbarn des Steinhauser Waldes. Mit einem organisierten "Waldspaziergang" hatten auch Mitglieder von "Fridays for Future" am Dienstag gegen die Abholzung des Waldstücks protestiert.

Zurückhaltung der Polizei

Alle Aktivisten rechneten damit, dass die Polizei ihre Präsenz erhöhen und sie aus dem Wald herausholen wird. Aber die hat sich bislang zurück gehalten. Etwa sechs Einsatzfahrzeuge sind vor Ort. Die Aktivisten rechnen ständig damit, dass es mehr werden. Denn die Bäume müssen aus Gründen des Naturschutzes noch vor Anfang März gefällt werden. Bis Ende der Woche wollen die Aktivisten nach eigenen Angaben durchhalten.

Storck: Eingriff in die Natur ist vertretbar

Hintergrund der Umweltaktion ist, das Storck sein Firmengelände erweitern will; ein kleiner Bach und der Wald sind aber im Weg. Endgültig genehmigt ist die Werkserweiterung noch nicht. Dafür muss noch der Bebauungsplan geändert werden.

Storck äußert sich heute schriftlich: "Wir sind uns bewusst, dass die Betriebserweiterung mit einem Eingriff in die Natur einhergeht. (…) Die konkreten Planungen mit allen Kompensationsmaßnahmen führen uns zu der Bewertung, dass der Eingriff vertretbar ist. Diese Bewertung wird durch alle Genehmigungsbehörden und die das Vorhaben begleitenden Fachplaner geteilt."

Die Umweltaktivisten spielen auf Zeit. Nur noch bis Anfang März dürfen die Bäume gefällt werden. Von März bis September ist das aus Naturschutzgründen verboten.

"Werden räumen"

Der besetzte Wald steht auf städtischem Grund. Die Politik machte klar, dass man das Gelände notfalls räumen werde. "Wir glauben, dass wir richtig handeln. Sollte die rechtliche Überprüfung dies bestätigen, werden wir das durchsetzen", unterstrich Bürgermeister Thomas Tappe (CDU) im Gespräch mit dem WDR.

Studiogast: Thomas Tappe, Bürgermeister Halle Lokalzeit OWL 22.02.2021 Verfügbar bis 01.03.2021 WDR

Bürgermeister: "Haben nicht mit dem Ausmaß gerechnet"

Politik und Unternehmen wurden offenbar von den Umweltaktivisten überrumpelt: "Wir haben damit gerechnet, dass es Widerstand in welcher Form auch immer geben wird. Aber dass die Aktivisten auf die Bäume klettern, damit nicht", räumte Halles Bürgermeister gegenüber dem WDR ein, der Sachverhalt werde noch rechtlich überprüft. Man sei ebenfalls mit Storck in Gespächen.

Lokalzeit OWL | 22.02.2021 Lokalzeit OWL 22.02.2021 29:16 Min. Verfügbar bis 01.03.2021 WDR

Umwelt-Aktivisten wehren sich gegen Baumfällungen Lokalzeit OWL 22.02.2021 Verfügbar bis 01.03.2021 WDR Von Carsten Krippahl

Stand: 24.02.2021, 19:17