Kirchturm in Westerkappeln gesprengt

Kirchturm in Westerkappeln-Handarpe gesprengt Lokalzeit Münsterland 15.10.2021 03:16 Min. Verfügbar bis 15.10.2022 WDR Von Jessica Merten

Kirchturm in Westerkappeln gesprengt

Von Petra Brönstrup

Die evangelische Kirche im Westerkappelner Ortsteil Handarpe ist Geschichte. Am Freitag wurde der Kirchturm als letzter verbliebener Teil der Kirche aus den 1960er Jahren gesprengt.

Die Sprengung des Kirchturms war eine Sache von Sekunden. Pünktlich um kurz vor halb vier ertönte im Wohngebiet rund um den Turm ein Warnsignal, dann gab es einen lauten Knall, und der 22 Meter hohe Turm kippte zur Seite auf die angrenzende Wiese, wo er in den nächsten Tagen in Einzelteilen abtransportiert werden muss.

Gemeinde mit dabei

Ein Kirchturm wird gesprengt

Ein trauriger Moment für die Gemeindemitglieder

Das Areal war durch einen Bauzaun gesichert, dahinter hatten sich etwa 100 Schaulustige versammelt, unter ihnen viele, die in der früheren evangelischen Kirche getauft und konfirmiert worden waren und hier auch geheiratet hatten.

Sie waren traurig, dass nun mit der Sprengung des Turms die Kirche verschwunden ist. „Für uns Kinder war die Uhr am Kirchturm wichtig. Denn wenn es sechs Uhr schlug, mussten wir zu Hause sein.“, erinnerte sich ein Anwohner.

Langer Abschied

Kirchturm liegt am Boden

Abriss statt Sanierung war die Entscheidung

Es war ein Abschied auf Raten: Bereits vor zehn Jahren war im Westerkappelner Ortsteil Handarpe diskutiert worden, ob die Kirche verkauft oder abgerissen werden sollte. Der Hintergrund: Die Kirche war nicht mehr gefragt. Immer weniger Menschen besuchten die Gottesdienste. Daher wollten die Verantwortlichen auch kein Geld mehr in den Bau aus dem Jahr 1965 stecken.

Förderverein wollte Kirche erhalten

Nicht jeder in Handarpe war damit einverstanden, dass die Kirche verschwindet. Es gründete sich ein Förderverein. Der versuchte, mit Konzerten, Ausstellungen und Theatervorführungen Geld für den Erhalt der Kirche in die Kasse zu spülen. Am Ende erfolglos. Schon seit vielen Jahren ist klar: Das Gotteshaus wird dicht gemacht.

Über die Nachnutzung wurde viel diskutiert. Es gab die Idee für ein Kolumbarium (Bauwerk, das der Aufbewahrung von Urnen oder Särgen dient), dann waren Dorfladen und Dorfgemeinschaftshaus im Gespräch. Im Moment gibt es Überlegungen, auf dem Gelände neue Wohnhäuser zu errichten.

Letzter Gottesdienst schon 2019

Der letzte Gottesdienst in der evangelische Kirche fand im Mai 2019 statt. Danach wurden die ersten Gebäudeteile dem Erdboden gleichgemacht. Nur der 22 Meter hohe Kirchturm stand noch. Aber nun ist auch der Geschichte.

Kirchturm in Westerkappeln-Handarpe gesprengt

Die evangelische Kirche im Westerkappelner Ortsteil Handarpe ist Geschichte. Am Freitag wurde der Kirchturm als letzter verbliebener Teil der Kirche aus den 1960er Jahren gesprengt.

Ein Kirchturm steht etwas schief, davor ein Mann mit Warnweste

Da steht er noch, der Turm der evangelischen Kirche in Westerkappeln. Vor der Entscheidung, die Kirche zu schließen, gab es viele Diskussionen.

Da steht er noch, der Turm der evangelischen Kirche in Westerkappeln. Vor der Entscheidung, die Kirche zu schließen, gab es viele Diskussionen.

Wie der schiefe Turm von Pisa: Nach der Sprengung fiel der 22 Meter hohe Kirchturm zu Seite um.

Mehr als der Turm war von der evangelischen Kirche aus den 1960er Jahren nicht mehr übrig. Die anderen Gebäudeteile waren schon vorher abgerissen worden.

Der letzte Gottesdienst wurde bereits vor zweieinhalb Jahren gefeiert.

Die Kirche wurde zu wenig besucht, deshalb stand für das Presbyterium fest, dass sich der Erhalt nicht lohnt.

Stand: 15.10.2021, 20:00