Handball-Spielberichte ohne Nachnamen

Datenschutz bei Spielberichten 03:18 Min. Verfügbar bis 13.05.2020

Handball-Spielberichte ohne Nachnamen

Von Mike Külpmann

  • Vorerst nur noch Vornamen im Internetportal
  • Datenschutzbeauftragte rügte Handballverband
  • Einverständniserklärungen erforderlich

Heimspiel der A-Jugend des TuS Ferndorf gegen den Siegerländer Lokalrivalen JSG Eiserfeld. Wer wird in der kommenden Saison in der Oberliga spielen? Das wird bei Qualifikationsspielen wie diesem entschieden.

Doch viele Eltern und Fans der Mannschaften, die den Liveticker zum Spiel verfolgen, reiben sich verwundert die Augen: als Torschützen werden nur "Jonas" oder "Tilman" genannt. Die Nachnamen fehlen. Der Datenschutz hat zugeschlagen.

Beschwerde eines Vaters gegen Namensnennung

Seit einigen Wochen setzt das Online-Portal "SIS-Handball" eine Anweisung der Landes-Datenschutzbeauftragten um. Die hatte die Handballverbände aufgefordert, bei den Spielberichten keine Daten mehr an Dritte weiterzugeben – die vollen Spielernamen gehören auch dazu.

Ein Vater hatte sich bei der Behörde beschwert, dass sein Sohn im Internet auch im Zusammenhang mit Zeitstrafen genannt worden war – er befürchtete Nachteile bei der Lehrstellensuche. Die Datenschutzbeauftragte prüfte den Fall und gab dem Vater Recht.

Rainer Gräf beobachtet das Spiel

Er darf nur noch Vornamen eingeben

Ohne ausdrückliche und freiwillige Einwilligungen dürfen Spielernamen nicht weitergegeben werden – und die liegen im Falle der Handballverbände nicht vor. Zwar muss jeder Spieler bei der Beantragung des Spielerpasses dazu per Unterschrift sein Einverständnis erteilen. Freiwillig sei das aber nicht, so die Behörde, denn ohne Unterschrift kein Spielpass, also keine Wahlmöglichkeit.

Handballverband droht hohes Bußgeld

Verantwortliche wie Wilhelm Barnhusen vom Westfälischen Handballverband stecken in einem Dilemma: Mit Spielberichten ohne volle Namensnennung gibt er sich der Lächerlichkeit preis; aber verstößt er gegen die Anweisung aus Düsseldorf, droht ihm ein Bußgeld von 15.000 Euro.

Wilhelm Barnhusen vom Handballverband Westfalen

Barnhusen: "In Holland schert sich keiner darum"

"Wahrscheinlich werden wir es hinkriegen müssen, dass sich alle unsere über 90.000 Mitglieder in unserem Online-Datensystem registrieren und dort ihr Einverständnis erteilen", so Barnhusen. Verständnis für den ganzen Ärger hat er nicht: "In Frankreich oder Holland schert man sich um sowas überhaupt nicht."

Die Folgen der Anordnung sind kaum abzusehen: Denn auch andere Sportportale veröffentlichen volle Namen. Wie sieht da eine "freiwillige Einverständniserklärung" aus, wie beim Handball gefordert? Und wie steht es um die Weitergabe von Namen an die Sportredaktionen? Derzeit völlig offene Fragen.

Der TuS Ferndorf hat die JSG Eiserfeld übrigens mit 34:15 geschlagen. Zumindest diese Info ist wohl kein Verstoß gegen den Datenschutz.

Stand: 13.05.2019, 08:06

Kommentare zum Thema

5 Kommentare

  • 5 Anonym 14.05.2019, 19:51 Uhr

    Also das ist jetzt total durchgeknallter Blödsinn! Da fehlt jeder gesunde Menschenverstand . Die Gesetze geraten aus den Fugen und verfehlen ihren Zweck.

  • 4 Ralf Wangemann 14.05.2019, 16:36 Uhr

    Stell Dir vor, bei einer Liveübertragung laufen bald alle Spieler mit einer dunkeln Sonnenbrille auf und die Zeitungen müssen bei Fotos vom Spiel die Gesichter der Protagonisten mit einem Pornobalken versehen. Warte es ab, in Zukunft ordnet ein bekiffter Datenschützer an, dass alle Sportveranstaltungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden müssen, weil der eine oder andere Zuschauer, ausplaudern könnte was in der Halle, auf dem Sportplatz oder im Stadion gemacht wurde, oder wer die meisten Hütten gemacht hat... Wir sind schon bekloppt in Deutschland...

  • 3 Frank, Krefeld 13.05.2019, 20:53 Uhr

    Deutschland ist ein Tollhaus geworden. Mehr möchte ich dazu nicht schreiben.

  • 2 Jürgen Krick, Lohmar 13.05.2019, 18:23 Uhr

    Sehr geehrte Damen und Herren, Ich war fast 50 Jahre im öffentlichen Dienst des Bundes um zu wissen, dass die Meisten der Datenschutzbeauftragten jedem Ärger aus dem Weg gehen wollen. Daher entscheiden sie oft im Sinn des Datenschutzes ("verbohrte Eltern"), weil sie wissen, dass sich nur "verbohrte"Eltern wehren.

  • 1 Ralf Binder 13.05.2019, 16:54 Uhr

    Als Spieler bei Spielen mit öffentlichen Interesse wird man "Person des öffentlichen Lebens", da gelten andere Regeln. Diese Rüge ist Quatsch. Jugend-Handball und Bundestagswahl sind nicht ganz das selbe aber man stelle sich mal eine "Bundeskanzlerin Angela" vor. Mir würden noch einige lustige Beispiele einfallen. Trotzdem nehme ich das Thema Datenschutz sehr ernst, auf Facebook, Twitter und Co. bin ich daher nicht vertreten. Allein auf dieser Seite blocke ich 4 Tracker und 4 Scripte von Drittanbietern. Datenschutzbeauftragte sollten lieber Sandra Maisberger rügen, die sich nicht an die Zwei-Klick-Lösung für Social-Plugins hält und damit ungefragt Daten an Facebook und Twitter sendet. Man findet das bei daserste.de, nicht bei wdr.de; am besten den Punkt Datenschutz jeweils selbst mal anklicken. Wir sind hier keine "Personen des öffentlichen Lebens", wir brauchen Privatsphäre.